Botanisches Institut - Universität KarlsruheBotanische Exkursionen: Neophyten
Flußtäler waren immer schon ein attraktives Revier für Pionierpflanzen und andere konkurrenzschwache Erstbesiedler. Manche Pflanzen werden von den Oberläufen der Flüsse in Tallagen verschleppt und können sich dort vorübergehend halten. Durch die Dynamik der Gewässer entstehen immer wieder offene Flächen die von Pionierpflanzen besiedelt werden können. Diese Pioniere werden später teilweise von anderen Pflanzen verdrängt. Vergleichbare vegetationsarme Flächen werden immer wieder auch vom Menschen geschaffen: Ackerbrachen, Industriebrachen, Bahndämme, begradigte Flußufer. Seit dem ausklingenden 15. Jhdt. (formal seit 1492: Kolumbus) kommen mit zunehmender weltweiter Reiseaktivität immer wieder exotische Pflanzen zu uns, von denen einige sich dauerhaft halten können, bevorzugt dort, wo die Konkurrenz durch einheimische Pflanzen gering ist oder auf anderweitig gestörten Flächen. Diese Pflanzen werden als Neophyten bezeichnet. Pflanzen, die sich nur vorübergehend halten können, beispielsweise an Bahndämmen oder im Bereich von Häfen werden als Adventivpflanzen bezeichnet. Pflanzen, die vor 1492 bei uns "zugezogen" sind werden als Archäophyten (Alteinwanderer) bezeichnet, wobei man sich natürlich auf die letzten wenigen tausend Jahre beschränkt, denn vor, während und unmittelbar nach den Eiszeiten gab es ohnehin gewaltige Umschichtungen der Flora.
Zum Thema Neophyten ein instruktiver Beitrag aus dem Internet: das Wesentliche in aller Kürze. Allerdings würde ich Kulturpflanzen, die keine Verwilderungstendenzen zeigen, wie die Kartoffel, den Mais oder die Douglasie nicht als Neophyten bezeichnen.
Als Kern der Neophytenproblematik ist sicherlich die fehlende Wechselwirkung
mit der heimischen Fauna anzusehen: Wie wenig Geschmack Kleintiere an den
Neophyten finden, geht aus einer aktuellen Studie hervor. Zoologen
vom Lehrstuhl für Physiologische Ökologie an der Universität
Köln haben drei Arten des
Staudenknöterichs (Gattung Reynoutria) auf ihre Besiedlung
durch phytophage - pflanzenfressende - Insekten abgeklopft. Klägliche
Bilanz der Inventur: Auf den
Neueinwanderern, die vor allem an Flußufern meterhoch ins Kraut
schießen, fanden sich nur vier Insektenarten - auf dem Japanischen
Staudenknöterich etwa nur vereinzelt Blattläuse und auf dem Sachalin-Staudenknöterich
nichts außer dem Eigelege einer Gelben Tigermotte. Und das trotz
über 20 jähriger Präsenz von Reynoutria am Standort. Dagegen
beherbergt die natürliche Wirtspflanze der Insekten, der Stumpfblättrige
Ampfer (Rumex obtusifolius),
rund 100 Arten.
Auf unserer Rheinauenexkursion werden wir eine ganze Reihe von Neophyten sehen:
Robinia
pseudoacacia
Matricaria
discoidea
Impatiens
glandulifera
Solidago gigantea u. S.
canadensis
Heracleum
mantegazzianum
Reynoutria
sachalinense
Weitere Neophyten werden auf anderen Exkursionen dazukommen und sind dann in einer Liste zu finden.
Den Ärger mit Neophyten haben nicht nur wir Europäer: auch in Nordamerika oder in Australien ist das Problem akut. In Nordamerika sind es häufig uns wohlbekannte, einheimische Pflanzen, die sich dort unbeliebt machen. Im Internet finden sie dazu mehr; aber suchen Sie nach "invasive plants", nicht nach "neophyte", sonst landen Sie voll im Esotherischen. Bei dieser Gelegenheit werden Sie dann auch feststellen, welch eine weise Einrichtung die wissenschaftlichen Pflanzennamen sind. Oder hätten Sie auf Anhieb rausgekriegt, daß eine der besonders radikal bekämpften Neophyten in den USA und Canadas, Purple Loosestrife, nichts anderes als unser Blutweiderich, Lythrum salicaria, ist?
Als humorige Untermalung noch
'n ganz and'rer Beitrag zum Thema Rote Liste und Neophyten.
Fragen
1. Was sind Neophyten? Nennen Sie einige typische Neophyten des Exkursionstages,
ihre typischen Standorte und ihre ursprüngliche Heimat..
2. Informieren Sie sich im Internet über Neophyten Nordamerikas.
Wo liegen generell die Probleme mit Neophyten?
Letzte Änderung: Max Seyfried 15.04.2002