Botanisches Institut - Universität KarlsruheAnleitung zum Anlegen eines Herbars
Private Herbarien haben in der Regel eine etwas andere Zielsetzung. Sie helfen beim Kennenlernen einer lokalen Flora, liefern Referenzmaterial zum Bestimmen von Pflanzen, machen manchmal die Bestimmung von Pflanzen erst möglich, wenn etwa Pflanzen in einem schwer bestimmbaren Zustand vorliegen (z. b. nur Blätter, Jungpflanzen, Früchte). Voraussetzung für diesen Nutzwert eines privaten Herbars ist allerdings, daß auch ein privates Herbar mit ähnlicher Sorgfalt wie ein wissenschaftliches Herbar angelegt wird - die Übergänge sind im Grunde fließend. Auch wissenschaftliche Herbarien sind zum guten Teil aus privat gesammelten Material in Jahrzehnten oder Jahrhunderten gewachsen.
Bau einer Pflanzenpresse. Damit das herbarisierte Pflanzenmaterial über viele Jahre hinweg in möglichst wenig veränderten Zustand dauerhaft erhalten wird muß es entsprechend aufbereitet werden. Der erste Schritt ist das Pressen und Trocknen der Pflanzen. Hierzu wird üblicherweise eine Pflanzenpresse verwendet, wenn man sich auch notfalls mal mit einigen Bögen Zeitung und einem Stapel Bücher behelfen kann.
Käufliche Pflanzenpressen sind teuer (ab DM 100) und haben oft
ein ungünstiges Format. Deswegen hier eine Anleitung zum Selsbtbau
einer geeigneten Presse.
Sie benötigen an Material
Die Sperrholzplatten geben den stabilen Rahmen der Presse ab (für Schönheit und Dauerhaftigkeit kann man die Platten auch mit Farbe oder Lack behandeln). Darauf kommt eine Stück Wellpappe. Dann kommt ein gefaltetes Blatt Zeitungs papier (Sauglage), dann kommt ein gefaltetes Blatt Zeitungspapier, in dem die zu pressende Pflanze angeordnet ist, und da drauf wieder eine Sauglage. Auf das Ganze kommt einem Stück Wellpappe. Und so geht's weiter: Saugschicht, Faltblatt mit Pflanzenmaterial, Saugschicht, Wellpappe. Auf die letzte Probe werden die restlichen Stücke Wellpappe gepackt, oben drauf kommt die zweite Sperrholzplatte und das ganze Päckchen wird mit den zwei Spannriemen parallel zu den Schmalseiten festgezurrt.
Wer kein Zeitungspapier verwenden will hat natürlich auch einige kostspieligere Möglichkeiten. Anstatt der zeitungspapierernen Sauglage kann passend zurechtgeschnittenes Löschpapier oder saugfähiger Filz verwendet werden (Papier-, Bastelgeschäfte, Versandhandel). Gut saugfähig ist auch Malerkrepp, der beispielsweise in 20-m-Rollen (85 cm breit) im Baumarkt zu kriegen ist (ca. DM 10). Statt dem Zeitungspapier, in das die Pflanzen gelegt werden, kann man Makulatur (unbedrucktes Papier) nehmen oder ungeprägte, unbedruckte Tapete (passende 53 cm breit), alles aus dem Baumarkt. Und schließlich kann man natürlich auch Wellpappe fertig zugeschnitten kaufen.
Im Notfall kann man die Pflanzenpresse auch durch einige Bögen Zeitung und einen Stapel Bücher ersetzen - aber wenn man das Herbarisieren anfangen will, lohnt sich die relativ geringe Investition in eine Eigenbau-Presse.
Soweit zum Vorgeplänkel; jetzt geht's zum Sammeln.
Wo darf gesammelt werden? Gemeint ist eher "wo darf nicht gesammelt werden", nämlich:
Jede Pflanze, die zum Herbarisieren vorgesehen ist wird mit ergänzenden Angaben in einem Feldnotizbuch vermerkt:
Die gesammelten Pflanzen sollen sauber sein, frei von Erdresten usw.. Wesentlich sind Blüten, u. U. in verschiedenen Entwicklungsstadien. Für manche Arten sind ausserdem auch Früchte, Wurzeln, Rhizome zur Artabgrenzung und zum Bestimmen wichtig.
Die gesammelte Pflanze wird auf dem aufgeklappten Zeitungsbogen angeordnet, so daß alle Teile erkennbar sind. Hierbei müssen gelegentlich Teile der Pflanze in etwas unnatürlicher Weise zurechtgerückt werden. Blüten und Köpfchen können teilweise aufgeschnitten werden, um z. B. die Staubblätter erkennen zu lassen. Einzelne Blätter werden umgedreht oder umgeknickt, um die Blattunterseite erkennen zu lassen; ansonsten ist darauf zu achten, daß Blätter ausgebreitet sind und nicht umgeklappt, zusammengeschoben oder faltig. Es sollen möglichst wenig Pflanzenteile sich überdecken.
Große Pflanzen können V-förmig geknickt werden, damit sie auf den Bogen passen, oder sie werden mehrfach durchgeschnitten und nebeneinander angeordnet (/ / /). Manchmal muß eine gut entwickelte Pflanze zurechtgetrimmt werden, ohne ihr Erscheinungsbild zu sehr zu verändern. Fleischige Pflanzenteile (Früchte, Wurzeln) werden zum Trocknen halbiert. Grundregel: das gepresste Exemplar soll alle kritischen Aspekte der Pflanze zeigen.
Wenn auf dem Blatt genügend Platz ist, können mehrere Exemplare gepresst werden, die die Variationsbreite der Population zeigen, oder es können zusätzlich Jungpflanzen oder vegetative Exemplare mitgepresst werden.
Investieren Sie ruhig einige Zeit in das Auslegen der Pflanzen; es kann den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem exzellenten Herbarblatt ausmachen.
Das Zeitungsblatt wird dann zugeklappt, die Sammelnummer auf der Zeitung vermerkt, in der Presse auf eine Sauglage gelegt, darüber wieder eine Sauglage und die Wellpappe. Mit der nächsten Pflanze wird genauso verfahren, bis alle zu pressenden Pflanzen in der Presse aufgeschichtet sind. Obendrauf packt man die restlichen Wellpapppen, dann kommt die obere Sperrholzplatte drauf und die Spannriemen werden festgezurrt.
Pressen und Trocknen. Es ist sehr wichtig, die Pflanzen rasch zu trocknen. So werden Farben und Strukturen am besten erhalten. Ideal ist ein Trockenschrank, aber den haben natürlich nur professionelle Sammler. An einem trockenen, gut belüfteten Platz muss mit einer Trockendauer von 3 - 5 Tagen gerechnet werden. Fleischige oder sukkulente Pflanzenteile brauchen länger. Nach dem ersten Tag wird das Zeitungspapier, in dem die Pflanzen liegen und die Sauglage gewechselt. Die Wellpappe unterstützt die Luftzufuhr. Experimentieren Sie nicht mit dem Backofen - Sie wollen keine Holzkohle erzeugen. Während des Trocknungsprozesses öfters mal die Spannriemen nachspannen.
Im getrockneten Zustand kann man die Pflanzen im Prinzip beliebig lange aufbewahren, bevor man sie auf Herbarbögen aufzieht. Die Gefahr einer Beschädigung der Pflanzen ist so allerdings größer.
Praktische Vorgehensweise. In der Regel wird man die Pflanzen nicht bereits am Fundort für die Pressung vorbereiten und in die Presse legen. vielmehr wird man eine Anzahl Pflanzen sammeln und sich dann an einen wind- und regengeschützten Platz zurückziehen, um die für die spätere Qualität des Herbarexemplars entscheidenden Schritte (s. o.) durchzuführen. U. U. wird man einen ganzen Tag sammeln und erst zu Hause Pressung und Trocknung in Angriff nehmen.
Will man so vorgehen, muß sichergestellt werden daß, die Pflanzen bis dahin unbeschädigt überstehen. An ein bereits welkendes Exemplar brauchen Sie normalerweise keine Mühe mehr verschwenden: es gibt nur ein schlechtes Herbarexemplar her. Eine brauchbare Sammeltechnik ist, wenn Sie die gefundenen Pflanzen locker und luftig einzeln in Zeitungspapier einschlagen und ohne gegenseitiges Quetschen und Drücken in einer Platiktüte sammeln (Sammelnummer auf die Zeitung schreiben!). Übrigens: unsere Altvorderen haben statt der Alditüte eine Botanisiertrommel verwendet. Bei entsprechender Sonneneinstrahlung kann man feuchtes Zeitungspapier zwischen die Päckchen legen. Bitte sammeln Sie keine buntgemischten Blumensträusse in einer Plastiktüte; kleinere Pflanzen, wichtige Pflanzenteile, Früchte und anderes wichtige Merkmale können verloren gehen. Abfallende Pflanzenteile, z. B. auch Samen oder Sporen werden in kleinen Tütchen gesammelt, bei Bedarf getrocknet und später mit dem Herbarbogen zusammen aufbewahrt (mit Sammelnummer beschriften).
Manche Pflanzen kann man notfalls über 1 - 2 Tage im Kühlschrank konservieren, aber bei vielen wird die Qualität rasch schlechter und manche Pflanzen sind schon nach einem Tag recht matschig.
Der zweite zeitaufwendige Teil ist die Pflanzenbestimmung. Das kann man vor Ort machen oder anhand von zusätzlich mitgenommenen Exemplaren auch wieder zu Hause. Man kann dann die nette Überraschung erleben, daß man bei dieser und jeder Pflanze bestimmungswichtige Teile nicht mitgesammelt hat, was dann auch das potentielle Herbarexemplar unbrauchbar macht.
Planen Sie genügend Zeit für die Bestimmung, das Auslegen vor dem Pressen und das Pressen ein: Es sind die entscheidenden Schritte für die Qualtität Ihres Herbarbelegs.
Die fertig gepressten Pflanzen werden auf Herbarbögen aufgezogen. Das sind je nach Pflanzengröße Bögen festen, säurefreien, nicht gilbenden Papiers oder dünnen Kartons im Format A3 oder A4. Glattes 100 g Zeichenpapier hat sich bewährt. Zum Aufziehen gibt es wieder verschiedenen Techniken:
Zu guter letzt will das Herbarblatt noch beschriftet werden; d. h. es
wird mit einem Etikett
versehen. Dieses Etikett enthält - dauerhaft gedruckt
(also möglichst Laserdrucker, kein Tintenstrahler!) - im wesentlichen
die gleichen Angaben wie das Feldnotizbuch:
| Projekt Exkursionen bei Karlsruhe 1998 | |
| Name Stellaria holostea | |
| Familie Caryophyllaceae | |
| dt. Name(n) Große
Sternmiere
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| Fundort Baggersee
Grötzingen, am Waldrand
Koord. 343660Rechts/543270Hoch |
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| Standort Lichter Waldrand nach NW offen, humöser Grund, zwischen Urtica dioica u. Lamium mac., unter Alnus glutinosa; in Gruppen v. 50 - 100 Ex. | |
| Beschreibung Zerbrechlicher Stengel, Spreizklimmer, verblühte Ex. kräftiger, Kr. weiß, halb gespalten | |
| Sammler: MS | Datum 22.04.1998 |
| Bestimmer: MS | Datum 22.04.1998 |
| Sammel-Nr. EX/1998/11 | |
Das Etikett wird ebenfalls auf den Herbarbogen geklebt; sehen Sie also beim Aufziehen der Pflanze rechts unten auf dem Bogen genügend Platz für das Etikett vor.
Die fertigen Herbarbögen werden staubfrei und trocken am besten in einem Schrank gestapelt in Mappen aufbewahrt. Eventuell muss man mit Mottenpulver, Zedernholz o. ä. für die Dauerhaftigkeit des Herbars sorgen. Zum Transport einzelner Bögen immer Pappe unterlegen, um die Bruchgefahr zu verringern.
Kriterien für die Anerkennung eines Herbar als Exkursionstag.
Herbarisieren im Team kann richtig fun sein; vielleich organisiert ja mal jemand eine Grillparty mit Pflanzensammeln und gemeinsamen Bestimmen.
Übrigens: Herbarblattspenden (Duplikate) zum Aufbau eines Demonstrationsherbars, das dann auch in Kursen eingesetzt wird, sind stets willkommen.
Letzte Änderung: Max Seyfried 08.04.1999