Botanisches Institut - Universität Karlsruhe

Botanische Exkursion: Wegränder - Ackerränder - Wiesen

Der Anblick wird wieder etwas vertrauter: Feldränder mit Klatschmohn, Kornblume und Feldrittersporn. Äcker und ihre Umgebung sind besondere Biotope, vom Menschen geschaffen und vom Menschen beeinflußt. Durch gezielte Maßnahmen werden die Nutzpflanzen gefördert und die Konkurrenz von manchen Wildarten ausgeschlossen, gleichzeitig aber andere Wildarten gefördert. Welche Faktoren spielen hier eine Rolle?
Bodenbearbeitung schafft offene Flächen, die von schnellwüchsigen Pionierarten besiedelt werden können; Samen aus der Samenbank erhalten den nötigen Lichtpuls, der Lichtkeimern zur Keimung verhilft.
Düngung verändert die Bodeneigenschaften drastisch und fördert Nitratzeiger.
Anbau immer gleicher Monokulturen führt zur Auslaugung des Bodens, fördert Krankheiten und Schädlinge.
Lange Brachezeiten und der Anbau wenig deckender Hackfrüchte führen zu Bodenerosion.
Herbizideinsatz vernichtet neben den als ertragsmindernd angesehenen Arten auch nützliche Wildkräuter, die z. B. die Erosion bremsen könnten. gleichzeitig werden resistente Problem-Unkräuter gefördert, vor allem bei langjähriger Spezialisierung auf eine Kultur.
Intenssivierung und Flurbereinigung führen zu eintönigen Ackerlandschaften ohne gliedernde Strukturelemente (Hecken, Wege, Gräben).

Die chemische Keule bei Düngung und Unkraut- bzw. Insektenbekämpfung hat weitgehend ausgedient, weniger aus Einsicht denn aus wirtschaftlichen Gründen. Heute strebt man etwas an, was liebevoll "integrierter Pflanzenbau" genannt wird. Dabei wird durch sinnvolle Fruchtfolgen sowohl der Herbizideinsatz als auch der Kunstdüngerbedarf auf ein realisitisches Maß gesenkt, durch Anbau einer Zwischenfrucht wird die Erosion vermindert; die Zwischenkultur kann als Gründünger untergearbeitet werden.

In dem Maße, wie die Prinzipien des integrierten Pflanzenbaus sich durchsetzen, finden sich auch zunehmend wieder artenreiche Feldränder und eine interessante Ackerbegleitflora, die eine Botanische Exkursion wert ist.
 

Fragen
1. Welche Wildpflanzen werden in Getreidefeldern als Problem-Unkräuter angesehen. Warum?
2. Die Kornrade Agrostemma githago ist ein früher gefürchtetes Getreide-Unkraut gewesen. Warum ist sie heute praktisch ausgestorben?
3. Welche Pflanzen der Ackerbegleitflora sind Nährstoffzeiger?
4. Nennen Sie einige Arten, die zur Gründüngung geeigenet sind. Welchen Nutzen können sie überdies haben?
5. Welche Vorteile kann die Ackerbegleitflora für den Kulturpflanzenbau bringen?
6. Was versteht man unter Segetalflora, was unter Ruderalflora. Wo gibt es Überlappungen?
7. Machen Sie sich ein paar Gedanken zur Ausbreitungsbiologie von einigen der gezeigten Ackerbegleitpflanzen. Wo hilft der Mensch mit?
8. Was versteht man unter Samenbank?
 

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Letzte Änderung: Max Seyfried 26.06.2000