Botanisches Institut - Universität Karlsruhe

Botanische Exkursion: Hochmoor

In niederschlagsreichen Regionen können in auch zum Grundwasser hin abflußlosen Bereichen Gewässer entstehen, die geeignete Bedingungen zur Entwicklung eines Hochmoores bieten. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Torfmoose, Sphagnum-Arten. Diese besitzen wasserspeichernde Zellen (Hyalocyten), die das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen und festhalten. Torfmoose sterben von der Basis her ab und wachsen an der Spitze nach, so daß sich der zentrale Teil des Moores "uhrglasartig" erhöht und dem Einfluß des Oberflächenwassers immer mehr entzogen wird.  Ein Hochmoor kann so im Jahr um ca. 1 mm wachsen. Niederschlagswasser ist nährstoffarm, deshalb können im Hochmoor nur anspruchslose Arten und einige Spezialisten existieren. Ein solches, ausschließlich von Niederschlagswasser gespeistes Moor heißt ombrotroph.

Solche Spezialisten sind die Sphagnum-Arten, die durch einen Ionentauscher-Mechanismus in der Zellwand in derLage sind, die wenigen Kationen im Niederschlagswasser gegen Protonen auszutauschen, was zu noch saureren Verhältnissen im Moor führt (pH 3 ... 4). Ein anderer Spezialist ist Drosera, der Sonnentau, der mit klebrigen "Tentakeln" (Drüsenzotten) kleinere Insekten fängt und verdaut und damit seinen Bedarf an Stickstoff- und Schwefelverbindungen ergänzt. Die dritte Gruppe von Spezialisten sind die Ericaceae (Heidekrautgewächse), die eine besonders intensive Mykorrhiza-Beziehung pflegen. Andere Pflanzen treten vor allem im Bereich mit Mineralbodenwasser-Einfluß auf, etwa am Rand von Mooren, und werden als Mineralboden-Wasser-Zeiger (MBWZ) bezeichnet (z. B. Eriophorum (Wollgras)). Gehölze können teilweise mit reduzierten Wuchsleistungen in das Hochmoor vordringen; wir werden vor allem Kiefern (Pinus mugo) und Birken (Betula pubescens) sehen, aber auch Fichten finden sich im Randbereich. Reine Hochmoore sind im Schwarzwald selten; auch unser Exkursionsziel ist ein sog. Übergangsmoor mit Hochmooranteilen.

Das im Moor gespeicherte Wasser und der dadurch bedingte Luftabschluß führt zusammen mit den sauren Bedingungen zu einer unvollständigen Zersetzung der abgestorbenen Pflanzen, insbesondere der Torfmoose. Es entsteht zunächst Weißtorf; bei weiterer Zersetzung Schwarztorf. Die Torfschicht unter einem einige tausend Jahre alten Hochmoor kann Mächtigkeiten von 12 m erreichen.

Durch ihre Wasserspeicherkapazität wirken Moore klimatisch ausgleichend, sowohl bezüglich der Temperatur als auch durch die verzögerten Wasserabgabe.

Hochmoore sind durch den Nährstoffeintrag aus der Luft (Stickoxide) in ihrer Eigenart stark gefährdet; Torfabbau und Entwässerungsmaßnahmen stellen zusätzliche Bedrohungen dar. Die Hochmoore Mitteleuropas sind in den letzten 100 Jahren auf 10 % ihrer ursprünglichen Fläche zurückgegangen. Die teilweise noch praktizierte Verwendung von Torf für Heizzwecke ist durch den geringen Brennwerrt ausserordentlich unökonomisch; der bei Gärtnern so beliebte Torfmull läßt sich durch Rindenmulch, Kokosfasern und andere Ersatzstoffe vollständig ersetzen.

Diese Exkursion gibt es auch virtuell.
 

Fragen
1. Warum ist das Abflußwasser des Moores braun gefärbt?
2. Skizzieren Sie eine Aufsicht auf ein Sphagnum-Blättchen. Welche Zelltypen sind zu sehen?
3. Wieso lassen sich Hochmoore als "Archive der nacheiszeitlichen Vegetationsgeschichte" bezeichen?
4. Ein Hochmoor stellt keine homogene Fläche dar, sondern ist großräumig und kleinräumig gegliedert. Erläutern Sie die Begriffe Bulte, Schlenken, Kolk, Schwingrasen, Lagg.
5. Beschreiben Sie den Fangmechanismus von Drosera rotundifolia.
6. Der Anstieg vom Parkplatz zum Hohlohsee ging durch einen Wald. Welche Baumarten bilden diesen Wald; welche wären natürlicherweise zu erwarten? Welche wirtschaftliche Bedeutung hatte der Wald im Nordschwarzwald?
7. Welche Moose und Farne haben Sie kennengelernt; welches sind ihre Standortansprüche?
8. Wie lassen sich die gezeigten Ericaceen-Arten unterscheiden?
9. Welche Giftpflanzen und Heilpflanzen haben Sie auf dieser Exkursion kennengelernt?
 

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Letzte Änderung: Max Seyfried 12.07.1998