Botanisches Institut - Universität KarlsruheBotanische Exkursion am Linkenheimer Baggersee
Exkursionsleitung: Prof. Leist
Die stehenden Gewässer der Oberrheinebene sind paraktisch alle anthropogenen Ursprungs. Sie sind entweder im Verlaufe der Tullaschen Rheinkorrektur durch Abschneiden von Rheinschlingen enstanden oder durch Ausbaggern der Kiessedimente des Rhiens und in der Kinzig-Murg-Rinne. Diese künstlichen Seen stellen wichtige Ersatzbiotope für die im Zuge der Besiedlung und Kultivierung des Oberrheins ständig zurückgegangenen freien Wasserflächen dar.
In den Baggerseen setzt schon während der Bebaggerung eine Sukkzession ein, bei der die nicht mehr ausgebeuteten Teile des Baggersees sich nach und nach mit Pflanzen besiedeln. Ein Baggersee hat von "Natur" aus sehr steile Ufer; da viele der Baggerseen jedoch auch als Badegewässer genutzt werden, sind häufig Uferabschnitte mit flacherem Strand angelegt. Insgesamt ergibt sich dadurch ein Mosaik von Steilufern, Tiefwasser- und Flachwasserbereichen, die ökologisch sehr vielseitig sind.
Vom Ufer fortschreitend zur Seemitte lassen sich verschiedene Zonen bzw. Pflanzen"typen" unterscheiden:
Das Auftreten bestimmter Pflanzen sind sehr eng an die Nährstoffverhältnisse im See gebunden. Man kann mit Ihrer Hilfe den Nährstoffgehalt abschätzen. Dies geschieht meist mit Hilfe des Makrophytenindex:
| Nährstoffgehalt | Makrophytenindex MI |
| sehr gering | 1 - 1,9 |
| gering | 2 - 2,4 |
| mäßig | 2,5 - 2,9 |
| erheblich | 3,0 - 3,4 |
| hoch | 3,5 - 3,9 |
| sehr hoch | 4 - 5 |
Der Makrophytenindex wird anhand von Häufigkeiten der Pflanzen
berechnet (streng genommen unter Berücksichtigung der Tiefenstufe):
| Häufigkeit der Pflanzenart | Schätzstufe | Häufigkeitsstufe H |
|
sehr selten, vereinzelt
|
1 | 1 |
|
selten (kleine Gruppen)
|
2 | 8 |
| verbreitet (25 % der Fläche bedeckend) | 3 | 27 |
| häufig (50 % der Fläche bedeckend) | 4 | 64 |
| sehr häufig, massenhaft rasenbildend (> 75% der Fläche bedeckend) |
5 | 125 |
Die Pflanzen sind in 9 Indikatorgruppen Ii eingeteilt, die in einer gesonderten Tabelle für die wichtigsten Arten aufgeführt sind.
Mit Hilfe einer einfachen Formel wird hieraus der Makrophytenindex MI
berechnet:
MI = S
Hi*Ii / S
Hi
wobei Hi die Häufigkeitsstufe der Art i ist und Ii
ihre Indikatorgruppe.
Der Vormittagsteil der Exkursion beschäftigt sich mit den Wasserpflanzen, die von den Exkursionsteilnehmern zum Teil auch selbst aus dem Wasser geholt werden (Badekleidung mitbringen!) und anschließend an Land bestimmt werden; am Nachmittag wird bei einem Rundgang um den See der nähere und weitere Uferbereich erforscht.
Fragen (für Vormittag und Nachmittag)
1. Welche Laichkräuter haben Sie auf der Exkursion kennengelernt?
2. Beschreiben Sie den Blütenaufbau, die Bestäubung und die
ökologische Bedeutung der Laichkräuter.
3. Wie funktioniert der Fangmechanismus von Utricularia?
4. Schätzen Sie anhand der im Baggersee gefundenen Pflanzen den
Makrophytenindex.
5. An welchen Stellen, anhand welcher Organismen wurde deutlich, daß
Bereiche unterschiedlichen Nährstoffgehalts im Baggersee auftreten?
6. Welche Faktoren wirken tiefenbegrenzend für das Auftreten von
Chara im See?
7. Welche Faktoren tragen zur Eutrophierung eines Sees bei? Vergleichen
Sie auch die Einflüsse des Grundwassers und des Oberflächenwassers.
8. Welche Rolle haben Sauerstoffgehalt und Schichtung im See für
Lebens- und Abbauprozesse?
9. Beurteilen Sie die ökologische Bedeutung von Zonen mit Schilf
und schilfähnlichem Bewuchs.
10. Welche charakteristischen Pflanzen haben Sie in Sumpf- und Verlandungsbereichen
des Baggersees bzw. des Altrheins gesehen?
11. Welche besonderen Probleme haben Sumpfpflanzen in Gewässernähe;
welche Anpassungen weisen sie auf?
Letzte Änderung: Max Seyfried 10.07.1998