Botanisches Institut - Universität Karlsruhe

Botanische Exkursion: Trockenrasen, Orchideen, Michaelsberg

Der Michaelsberg stellt eine Wärmeinsel am Oberrhein dar, vergleichbar sonst nur noch mit dem Kaiserstuhl. Mit rund 600 Arten höherer Pflanzen zeigt er uns mit seiner engen Verzahnung von verschiedenen Biotopen eine einmalige Artenfülle.

Zwar war der Michaelsberg ursprünglich bewaldet, aber die Nutzung durch den Menschen (Weinbau, Ackerbau, Viehweide) führte zu großen waldfreien Gebieten und auf mageren (an Nährstoffen verarmten), trockenen Böden schließlich zur Entstehung der charakteristischen Trocken- oder Magerrasen, typischerweise in der Folge von langjähriger Schafbeweidung oder nach Abflammen der Flächen. Hinzu kommen hohe Temperaturen, am Boden oft über 60° C, und Trockenheit durch Wasserabfluß und -versickerung in den Lößböden. In diesen Halbtrockenrasen (Kalkmagerrasen) finden wir zahlreiche, sonst wenig konkurrenzfähige Arten, z. T. auch, weil die Gräser nicht mehr so dominieren, wie in den nährstoffreicheren Glatthaferwiesen. Man kann verschiedene Typen von Halbtrockenrasen unterscheiden, die durch Charakterarten abgegrenzt werden. Mehrjährige Arten überwiegen.

Eine typisches Süßgras der Halbtrockenrasen sind Bromus erectus (aufrechte Trespe), hiernach auch der Begriff Mesobromion für den entsprechenden pflanzensoziologischen Verband. Halbtrockenrasen sind häufig orchideenreich; die zwei häufigsten von rund 20 Orchideenarten des Michaelsbergs sind Orchis militaris und Gymnadenia conopsea. Weitere wichtige Arten an verschiedenen Standorten sind Dianthus carthusianorum, Hippocrepis  comosa, Helianthemum nummularium, Aster amellus, Polygala comosa, Anthyllis vulneraria, Coronilla varia, Carlina vulgaris, Geranium sanguineum, Peucedanum cervaria und Dictamnus albus, Aster linosyris.

Allerdings schwebt über den Halbtrockenrasen ständig das Damoklesschwert der Verbuschung und der Rückeroberung der Standorte durch den Wald. Die Halbtrockenrasen sind hier anthropogen entstanden und nur durch entsprechende Pflege zu erhalten. Die Schafbeweidung ist stark rückläufig; deshalb sollten die Flächen alle 1 - 2 Jahre gemäht und das Mähgut abtransportiert werden. Mahd ist allerdings kein vollständiger Ersatz für die selektive Beweidung durch Schafe.

Interessant ist auch das Auftreten einer Pflanze, die früher zur Farbstoffgewinnung angepflanzt wurde:
Isatis tinctoria, der Färberwaid. Dies ist nur ein Lieferant von Naturfarbstoffen; auf der Exkursion werden weitere gezeigt.

Pflanzen zum Merken:
Die gezeigten Orchideen (je nach Jahreszeit), Geranium sanguineum, Dianthus carthusianorum, Hippocrepis commosum, Salvia pratensis,  Carex hirta, Rhinanthus alectorolophus und R. minor, Sanicula europaea, Crataegus monogyna, Euonnymus europaeus, Populus tremula, Prunus spinosa, Asparagus officinalis.

Fragen (zu verschiedenen Michaelsbergexkursionen; nicht alle Aspekte auf jeder Exkursion gezeigt.)
1. Auf der Exkursion werden verschiedene Trockenrasenflächen und äquivalente Flächen gezeigt. Vergleichen Sie drei dieser Flächen und versuchen Sie die Unterschiede in der Vegetation zu erklären.
2. Nennen Sie einige seltene Pflanzen, die im Michaelsberggebiet in den letzten Jahren neu aufgetreten sind. Welche möglichen Erklärungen gibt es?
3. In welchen Sukzessionsschritten verläuft der Übergang von Halbtrockenrasen zu Wald?
4. Auf der Exkursion sind Ihnen einige klassische Färbepflanzen begegnet. Welche Farbstoffe wurden aus ihnen gewonnen?
5. Beschreiben Sie einen der vorgestellten trickreiche Bestäubungsmechanismen (z. B. Orchideen, Salbei, diverse Fabaceae).
6. Welche Probleme bringt der "Orchideentourismus"?
7. Welche Gefahren drohen den Halbtrockenrasen?
8. Welche Anpassungen besitzen Pflanzen von Trockenrasen?
9. Fragen für all diejenigen, die im Herbst eine zweite Michaelsbergexkursion machen: Welche Pflanzen prägen den Herbstaspekt am Michaelsberg? Versuchen Sie mit Oberdorfer (UB), Ellenberg (UB) oder Internet-Tabellen die typischen Ansprüche dieser Arten zusammenzustellen (hier ein Link mit Zeigerwerten). Welche dieser Arten sind durch ungünstige Mähtermine gefährdet?

Literatur: Der Michelsberg, Hrsg. M. Hassler, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, 1998 (Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege der LfU, Bd. 90)

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Letzte Änderung: Max Seyfried 15.03.2010