Botanisches Institut - Universität KarlsruheKarlsruhe Rheinhafen
Im Gebiet des Karlsruher Rheinhafens wurde die hier ursprünglich
vorhandene Vegetation aus Auenwäldern, Röhrichten und in Altarmen
wachsenden Wasserpflanzengesellschaften vollständig zerstört.
Das Gebiet ist heute in einem hohen Maße anthropogen (d.h. durch
menschliche Eingriffe) geprägt. Gleichwohl erweckten Hafengebiete
(wie auch Bahnanlagen und Müllplätze) bereits seit Anfang des
Jahrhunderts das besondere Interesse einiger Botaniker. Begründet
ist dies in der sehr großen Artenvielfalt in den genannten Gebieten.
In Hafen- und Bahngebiete wurde mit dem Güterverkehr eine große
Zahl bei uns nicht heimischer Pflanzenarten (Adventivpflanzen) eingeschleppt.
Samen dieser Arten fanden sich beispielsweise im Dämmaterial von Waggons,
welches früher noch aus Heu oder Stroh bestand. Auch wurde lebhafter
Handel mit pflanzlichen Rohstoffen (z.B. als Grundstoffe für Farben
oder Parfüme) betrieben. Beim Güterumschlag gelangten regelmäßig
Samen auf Gleisflächen und Umschlagplätze. Die meisten Adventivpflanzen
konnten sich jedoch bei uns aufgrund mangelnder Anpassung nicht dauerhaft
etablieren, sondern waren auf den reglmäßigen Samennachschub
mit dem Güterumschlag angewiesen. Einige Arten konnten sich hingegen
einbürgern und zählen somit zu den Neophyten,
so z.B. der aus West-Asien stammende Färber-Waid (Isatis tinctoria),
aus dessen Blättern früher der Farbstoff Indigo gewonnen wurde,
oder das aus Südafrika stammende Schmalblättrige Greiskraut (Senecio
inaequidens), welches sich in den letzten Jahren in einigen Regionen Deutschland
sehr stark ausgebreitet hat. Heutzutage findet man aufgrund moderneren
Transport- und Verladetechniken nur noch wenige Adventivpflanzen. Dennoch
sind Hafengelände auch heute botanisch noch sehr interessante Gebiete.
Bedingt durch sehr unterschiedliche Nutzungsintensität und unterschiedliche
Standortverhältnisse (trocken - feucht, nährstoffarm - nährstoffreich)
herrscht eine große Standortvielfalt, welche die Ursache einer
auch heute noch großen Artenvielfalt ist. Eine bedeutende Rolle spielen
hierbei die verbreitet vorkommenden nährstoffarmen, im Sommer trocken-heißen
Standorte, die einer großen Zahl seltener und gefährdeter Arten
Lebensraum bieten. Beispiele hierfür sind der Zwerg-Schneckenklee
(Medicago
minina) und die Osterluzei (Aristolochia
clematitis). Solche Arten haben in den letzten Jahrzehnten auf ihren
angestammten Standorten durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen
Nutzung meist große Bestandseinbußen hinnehmen müssen,
so daß Hafen- und Bahngelände mittlerweile wichtige Rückzugsgebiete
darstellen.
Auswahl einiger typischer Arten trocken-warmer Standorte im Rheinhafen: Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Grau-Kresse (Berteroa incana), Dach-Trespe (Bromus tectorum), Sparrige Flockenblume (Centaurea diffusa), Bunte Kronwicke (Coronilla varia), Gemeiner Natternkopf (Echium vulgare), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima), Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea), Gelbe Resede (Reseda lutea), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Klebriges Greiskraut (Senecio viscosus).
Aufgaben:
1. Nennen Sie zwei Anpassungen von Pflanzen an sommerlich trocken-heiße
Standortverhältnisse und nennen Sie je eine Art als Beispiel.
2. Welche anderen, meist ebenfalls nährstoffarme Biotope, an denen
trocken-heiße Verhältnisse herrschen, haben Sie auf Exkursionen
schon kennengelernt? Vergleichen Sie diese Standorte.
3. Was ist ein Hemerobiezeiger? Nennen Sie ein Beispiel.
4. An Hand welcher Merkmale unterscheiden Sie im Gelände zuverlässig
verschiedene gelbblühende Trifolium-Arten und Medicago-Arten?
5. Warum ist Ausbreitung der Robinie (Robinia pseudoacacia) aus der
Sicht des Naturschutzes in der Regel nicht erwünscht?
6. Welche Besonderheit weisen die Blüten der Osterluzei (Aristolochia
clematitis) auf? Nennen Sie eine weitere Art mit vergleichbarem Blütentyp
(kommt nicht im Rheinhafengebiet vor).
Letzte Änderung: Max Seyfried 19.06.2000