Botanisches Institut - Universität Karlsruhe
Karlsruhe Rheinhafen
Exkursionsleitung: Peter Vogel

Im Gebiet des Karlsruher Rheinhafens wurde die hier ursprünglich vorhandene Vegetation aus Auenwäldern, Röhrichten und in Altarmen wachsenden Wasserpflanzengesellschaften vollständig zerstört. Das Gebiet ist heute in einem hohen Maße anthropogen (d.h. durch menschliche Eingriffe) geprägt. Gleichwohl erweckten Hafengebiete (wie auch Bahnanlagen und Müllplätze) bereits seit Anfang des Jahrhunderts das besondere Interesse einiger Botaniker. Begründet ist dies in der sehr großen Artenvielfalt in den genannten Gebieten. In Hafen- und Bahngebiete wurde mit dem Güterverkehr eine große Zahl bei uns nicht heimischer Pflanzenarten (Adventivpflanzen) eingeschleppt. Samen dieser Arten fanden sich beispielsweise im Dämmaterial von Waggons, welches früher noch aus Heu oder Stroh bestand. Auch wurde lebhafter Handel mit pflanzlichen Rohstoffen (z.B. als Grundstoffe für Farben oder Parfüme) betrieben. Beim Güterumschlag gelangten regelmäßig Samen auf Gleisflächen und Umschlagplätze. Die meisten Adventivpflanzen konnten sich jedoch bei uns aufgrund mangelnder Anpassung nicht dauerhaft etablieren, sondern waren auf den reglmäßigen Samennachschub mit dem Güterumschlag angewiesen. Einige Arten konnten sich hingegen einbürgern und zählen somit zu den Neophyten, so z.B. der aus West-Asien stammende Färber-Waid (Isatis tinctoria), aus dessen Blättern früher der Farbstoff Indigo gewonnen wurde, oder das aus Südafrika stammende Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), welches sich in den letzten Jahren in einigen Regionen Deutschland sehr stark ausgebreitet hat. Heutzutage findet man aufgrund moderneren Transport- und Verladetechniken nur noch wenige Adventivpflanzen. Dennoch sind Hafengelände auch heute botanisch noch sehr interessante Gebiete. Bedingt durch sehr unterschiedliche Nutzungsintensität und unterschiedliche Standortverhältnisse (trocken - feucht, nährstoffarm - nährstoffreich)
herrscht eine große Standortvielfalt, welche die Ursache einer auch heute noch großen Artenvielfalt ist. Eine bedeutende Rolle spielen hierbei die verbreitet vorkommenden nährstoffarmen, im Sommer trocken-heißen Standorte, die einer großen Zahl seltener und gefährdeter Arten Lebensraum bieten. Beispiele hierfür sind der Zwerg-Schneckenklee (Medicago minina) und die Osterluzei (Aristolochia clematitis). Solche Arten haben in den letzten Jahrzehnten auf ihren angestammten Standorten durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung meist große Bestandseinbußen hinnehmen müssen, so daß Hafen- und Bahngelände mittlerweile wichtige Rückzugsgebiete darstellen.

Auswahl einiger typischer Arten trocken-warmer Standorte im Rheinhafen: Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Grau-Kresse (Berteroa incana), Dach-Trespe (Bromus tectorum), Sparrige Flockenblume (Centaurea diffusa), Bunte Kronwicke (Coronilla varia), Gemeiner Natternkopf (Echium vulgare), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima), Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea), Gelbe Resede (Reseda lutea), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Klebriges Greiskraut (Senecio viscosus).

Aufgaben:

1. Nennen Sie zwei Anpassungen von Pflanzen an sommerlich trocken-heiße Standortverhältnisse und nennen Sie je eine Art als Beispiel.
2. Welche anderen, meist ebenfalls nährstoffarme Biotope, an denen trocken-heiße Verhältnisse herrschen, haben Sie auf Exkursionen schon kennengelernt? Vergleichen Sie diese Standorte.
3. Was ist ein Hemerobiezeiger? Nennen Sie ein Beispiel.
4. An Hand welcher Merkmale unterscheiden Sie im Gelände zuverlässig verschiedene gelbblühende Trifolium-Arten und Medicago-Arten?
5. Warum ist Ausbreitung der Robinie (Robinia pseudoacacia) aus der Sicht des Naturschutzes in der Regel nicht erwünscht?
6. Welche Besonderheit weisen die Blüten der Osterluzei (Aristolochia clematitis) auf? Nennen Sie eine weitere Art mit vergleichbarem Blütentyp (kommt nicht im Rheinhafengebiet vor).
 
 

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Letzte Änderung: Max Seyfried 19.06.2000