Botanische Exkursion: Turmberg / Weinberg
Diese Exkursion beschäftigt sich mit den Pflanzen rund um den Turmberg bei Durlach. Gemäß der Jahreszeit liegt ein Schwerpunkt auf den Früchten; und der Höhepunkt ist sicher der kurze Abstecher in einen Weinberg des ehemaligen Staatsweinguts mit anschließender Weinprobe.
Der Wein Vitis vinifera gehört zu denVitaceae. In den Auwäldern z. B. auch des Rheins war eine Wildform (ssp. sylvestris) heimisch, ist aber mittlerweile ausserordentlich selten. Der Kulturwein (ssp. vinifera) wurde von den Römern zu uns gebracht und gedeiht an warmen Lagen mit frischem bis halbtrockenem Untergrund. Interessant ist das Wachstumsmuster des Weins (als monochasiales Sympodium bezeichnet), bei dem jeweils ein Seitentrieb den Haupttrieb übergipfelt, der in einer Ranke oder einem Fruchtstand endet. Ganz im Gegensatz zum deutschen Namen "Traube" ist dieser allerdings eine Rispe. Der Wein ist ein Kletterstrauch mit negativ phototropen Ranken.
Der Kulturwein gliedert sich in ca. 15.000 Sorten, die ein breites Spektrum an landschaftstypischen und für die jeweiligen Klimabedingngungen geeigneten Weine liefern. Die Wildform hatte rote, saure, herbe Beeren.
Im Mittelalter war Wein das allgemein übliche Getränk, auch unter den armen Teilen der Bevölkerung. Während der Klimaverschlechterung bis ins 19.Jhdt. kam der Weinbau fast zum Erliegen; billigere Getränke wurden erfunden bzw. wiederentdeckt (Bier). Fast das Ende des Weinbaus in Europa bedeutete das Auftreten der amerikanischen Reblaus, einem Wurzelparasiten. Das Problem konnte erst mit der Einfühung der reblaus-resistenten Pfropfunterlage Vitis labrusca gelöst werden; heute sind in D wurzelechte Reben nicht mehr erlaubt.
Weinberge besitzen ähnlich wie andere Kulturflächen eine interessante Wildflora, vorausgesetzt man gibt ihr eine Chance. Zum Glück ist man gerade im Weinbau zunehmend von der radikalen Durchpflügetechnik abgekommen und läßt eine mehrjährige Begrünung zu. Ebenso wird schon aus Wirtschaftlichkeitsgründen gezielter gedüngt Schädlingsbekämpfung betrieben. Die übermäßige Düngung hatte in rebflurbereinigten Weinbaugebieten zu ernsthaften Grundwasserproblemen geführt.
Wir werden uns während der Exkursion die typische Weinberg- und Ackerbegleitflora an einigen Beispielen ansehen.
Fragen
1. Welche Rebsorten kennen Sie?
2. Erläutern Sie die Begriffe Lotte, Geiztrieb, Gescheine, Unterlage,
Erziehung, Bogenreis.
3. Erläutern Sie das Verzweigungsmuster einer Rebe.
4. Was bedeuten beim Wein Restsüße, Säure, Alkoholgehalt
?
5. Welche grundsätzlichen Unterschiede gibt es beim Weinbau in
Baden, Rheinland-Pfalz, Elsaß, Südfrankreich, Sizilien?
6. Von welchen äußeren Faktoren hängt im Weinbau das
Befallsrisiko durch Schädlinge ab?
7. Welche Probleme brachte die Reblaus im Weinbau des 19. Jhdts. Wie
wurden sie gelöst? Woher kam die Reblaus so plötzlich?
8. Außer Wein wurden noch mehr nahrhafte und schmackhafte Dinge
auf der Exkursion gezeigt. Welche Arten wuren als essbar vorgestellt; welche
Teile davon sind jeweils essbar?
Letzte Änderung: Max Seyfried 13.07.1998