Botanische Exkursion: Bruchwald und Weingartner Moor
Der Ostrhein war ein Fluß, der parallel zum Rhein in der Kinzig-Murg-Rinne floß und die Zuflüssse von Osten sammelte. Nachdem einige der Zuflüsse vor ca. 6000 Jahren den Durchbruch zum Rhein im Westen geschafft hatten, verlandete die Kinzig Murg -Rinne. Es blieb ein stark vom Grundwasser beeinflußtes Gebiet, das auch gelegentlichen Überschwemmungen ausgesetzt war und das ein Mosaik aus Kiesinseln, Lehmflächen, Bruchwäldern, Moor- oder Sumpfgebieten und kleinen Seen bildete. Neben kleinflächigen Entwässerungsmaßnahmen führte vor allem die Rheinkorrektur zu einer so weit gehenden Grundwasserabsenkung, daß von den Moorgebieten der Oberrheinebene kaum noch Überreste zu finden sind. Eine der letzten Flachmoorflächen am Oberrhein stellt das Weingartner Moor nördlich von Karlsruhe dar; das Moor wird ausser von Grundwasser auch durch einen Zufluß gespeist. Bruchwaldflächen sind noch häufiger zufinden, aber nicht immer im natürlichen Zustand.
Der Bruchwald der Oberrheinebene ist ein Erlenbruchwald mit Alnus glutinosa als beherrschender Baumart und Einstreuungen von Fraxinus excelsior, Prunus padus, Populus nigra, Salix alba sowie weniger nässe-verträglichen Gehölzarten auf den etwas höher (grundwasserferner) gelegenen Stellen. In der Regel findet sich ein reicher Unterwuchs aus Kräutern und kleineren Gehölzen.
Das Weingartner Moor mit seinen umliegenden Bruchwaldflächen ist eines der größten zusammenhängenden Bruchwaldgebiete und für das Oberrheingebiet einmalig.
Die Flüsse des Oberrheingrabens brachten große Mengen an Gestein mit, das hier teilweise abgelagert wurde und durch Abbau wirtschaftlich genutzt wird. In der Landschaft finden sich deshalb zahlreiche Baggerseen, die vom ehemaligen oder noch laufenden Kiesabbau zeugen. Baggerseen sind einerseits wichtige Naherholungsgebiete, andererseits aber auch als Ersatzbiotope und Rückzugsgebiete für Fauna und Flora interessant; zwei meist unverträgliche Aspekte.
Die Exkursion beginnt am nicht mehr (nicht mehr bebaggerten) Grötzinger Baggersee, der durch eine Halbinsel in einen (eigentlich inoffiziellen) Badeteil und einen Naturschutzteil gegliedert wird. Der Naturschutzteil stellt eine Pufferzone zum nahen Weingartner Moor dar; leider sieht man an den Bereichen mit zugänglichem Ufer immer wieder unvernünftige Badende oder Schlauchbootaktivisten.
Das Weingartner Moor, umgeben von einem größeren Bruchwaldgebiet wurde schon Ende der 30er Jahre unter Naturschutz gestellt. Es zeichnet sich durch eine größere Seefläche mit randlichen Verlandungszonen aus. Teile dieser Flächen wurden durch den allerdings wenig lohnenden Torfabbau zu Beginn des Jahrhunderts und durch eine Sanierungsmaßnahme in den 80er Jahren geschaffen, nachdem das Moor durch Faulschlammbildung infolge zu hohen Nährstoffeintrags schon stark beeinträchtigt war. Eine Vorklärung des Zuflusses durch Klärteiche wäre sinnvoll, ist aber derzeit nicht finanzierbar.
Das Weingartner Moor ist ein Flachmoor, wie es in Verlandungszonen von Seen oder Bereichen mit Grundwassereinfluß ensteht; ein solches Moor ist meist sehr nährstoffreich. Im Gegensatz zu einem ombrotrophen Hochmoor, das nur bei entsprechend hohen Niederschlägen entstehen kann, finden wir in einem Flachmoor allenfalls schwach saure, meist aber leicht basische pH-Werte. Im Weingartner Moor treten im Sommer pH-Werte bis etwa 9.0 auf. Der Torf enststeht durch unvollständige Zersetzung von Pflanzen unter Luftabschluß; die Torfschichten sind max. ca. 1 m dick.
Charakteristische Pflanzen im Verlandungsbereich des Moores sind Carex-Arten (die auch den charakteristischen Seggentorf bilden), vor allem Carex acutiformis, Iris pseudacorus, Lysismachia vulgaris, Ranunculus sceleratus, Hippuris vulgaris, Utricularia vulgaris, Hottonia palustris, Myosotis palustris, Lycopus europaeus, Scutellaria galericulata, Solanum dulcamara, Frangula alnus. Auf der offenen Seefläche finden sich Nymphea alba, Lemna, Myriophyllum. Die offenen Wasserflächen werden von einem Schilfgürtel mit Phragmites australis umgeben, das aber teilweise durch das ökologisch weniger wertvollen Rohrkolben Typha latifolia abgelöst wird. Im umgebenden Bruchwald finden sich unter den bereits genannten Bäumen u. a. Senecio fuchsii, Carex sylvatica, Carex remota, Circea lutetiana, Impatiens noli-tangere, Melica uniflora, Milium effusum, Valeriana officinalis, Clematis vitalba, Humulus lupulus.
Das NSG Weingartner Moor wird von allen Seiten sehr eng durch Flächen mit massiver menschlicher Nutzung bedrängt: Im S der vor allem im Sommer stark frequentierte Baggersee, im O Bundesstrasse und die Sickerwässer einer Mülldeponie, im W eine Bahnlinie, im N eine Ortschaft, die immer dichter an das Moor heranwächst, in nächster Zukunft auch durch eine Umgehungsstraße. Die Erschließung des Gebiets durch Wald- und Wanderwege sowie einen Steg durch das Moor führt überdies zu einem hohen "Freizeitdruck". Die ökologische Funktion dieses einzigartigen Refugiums ist dadurch zwar nicht unmittelbar bedroht, aber doch eingeschränkt.
Fragen
1. Welche Unterschiede bestehen zwischen einem Bruchwald und einem
Auenwald?
2. Beschreiben Sie den Fangmechanismus von Utricularia.
3. Nennen Sie einige Besonderheiten der Schwarzerle (=Roterle). Wie
kommen die unterschiedlichen deutschen Namen und der wissenschaftliche
Name zustande?
4. Welche Flüsse beschickten den ehemaligen Ostrhein?
5. Wie erklären sich die basischen Verhältnisse im Weingartner
Moor, wie die sauren Verhältnisse in einem Hochmoor?
6. Unter welchen Umständen kommt es zu Faulschlammbildung?
7. Welche Gift- und Heilpflanzen wurden gezeigt?
8. Welche besonderen Bestäubungs"tricks" wenden einige der gezeigten
Pflanzen an?
Letzte Änderung: Max Seyfried 15.05.2000