Fakultät Chemie und Biowissenschaften

 

Botanisches Institut

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 Molekulare Zellbiologie

  AG Nick


 Woran arbeiten wir?.........                        ......
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Die japanische Winde Asa-gao ("Morgengesicht") bietet eine extremes Beispiel für umweltabhängige Entwicklung. Gewöhnlich beginnt sie im Herbst zu blühen, wenn die Tage kürzer werden. Wenn man jedoch den Keimlingen durch eine einzige lange Nacht (16 Stunden Dunkel) vortäuscht, dass der Herbst schon gekommen sei, beginnen sie sofort zu blühen, obwohl sie erst zwei Keimblätter gebildet haben (Bild Prof. Masaki Furuya, Tokyo). An der Messung der Tageslänge ist das pflanzliche Sehpigment Phytochrom beteiligt.

 

 

Das Leben ist nicht immer einfach. Es gibt zwei Arten, darauf zu reagieren:  weglaufen  oder  sich  anpassen.  Etwas  überspitzt formuliert lässt sich sagen: Tiere laufen davon, Pflanzen passen sich an. Dabei stellen sie nicht nur ihren Stoffwechsel auf die Umwelt ein, sondern ändern auch Gestalt und Entwicklung, um so ihr Überleben zu sichern. Viele Pflanzen "messen" beispielsweise die Tagelänge und entscheiden dann, ob sie blühen oder nicht. Damit erreichen sie, dass die Samen rechtzeitig vor Einbruch des Winters gebildet werden und so das Überleben der Nachkommen gesichert ist. Als Folge dieser Überlebensstrategie haben Pflanzenzellen eine fast unglaubliche Regenerationsfähigkeit entwickelt. Im Grunde kann jede Pflanzenzelle den ganzen Organismus neu hervorbringen, also etwas tun, was bei Tieren nur die Eizelle kann - die Pflanze besteht also eigentlich aus Stammzellen. Jede Zelle ist daher im Grunde gleichberechtigt. Wie kann nun aus gleichberechtigten Elemente, die weitgehend autonom sind, sich ein geordnetes Ganzes zusammenfügen und dies alles ohne einen "Big Boss", der alles steuert?

 

Das wollen wir verstehen und daher arbeiten wir vor allem an zwei Fragen:

 

1. Wie nehmen Pflanzen ihre Umwelt wahr und wie entscheiden sie, welchen Entwicklungsweg sie einschlagen müssen?

2. Wie führt diese Entscheidung zu einer Veränderung der Gestalt und wie wird dabei das Wachstum räumlich gesteuert?

 

Aus diesen zwei Fragen sind unsere wichtigsten Themenfelder entstanden:

 

Zellskelett: Es besteht vor allem aus den beiden Proteinbausteinen Tubulin und Actin. Diese Bausteine werden zu fädigen Polymeren, den Mikrotubuli und den Actinfilamenten, zusammengebaut, die für Wachstum und Teilung der Zelle, aber auch als Leitschienen für innerzelluläre Bewegungen wichtig sind. Die Organisation von Mikrotubuli und Actinfilamenten wird abhängig von vielen äußeren Signalen (Licht, Schwerkraft, Berührung) aber auch abhängig von Entwicklungszustand und Hormonen gesteuert und bestimmt die Gestalt der Pflanzenzelle. Seit einiger Zeit wissen wir auch, dass das Zellskelett zusätzlich noch als eine Art Sinnesorgan der Pflanzenzelle arbeitet.

 

Musterbildung: Die Erfindung der Vielzelligkeit war ein grosser Schritt in der Evolution; denn Vielzelligkeit erlaubt Arbeitsteilung - unterschiedliche Zellen können sich auf unterschiedliche Funktionen spezialisieren und das ist von Vorteil für die ganze Gemeinschaft. Aber dies setzt voraus, dass die Zuordnung der verschiedenen Funktionen organisiert und gesteuert werden muss. Dies könnte über eine Chefzentrale geschehen, die den anderen Zellen übergeordnet ist. Pflanzen sind jedoch geradezu "urdemokratisch" gebaut. Jede Zelle ist im Grunde gleichberechtigt. Das Spannende bei der pflanzlichen Musterbildung ist nun, dass gleichberechtigte Elemente, die weitgehend autonom sind, sich zu einem geordneten Ganzen zusammenfügen und dies ohne einen "Big Boss", der alles steuert. Dies setzt voraus, dass die Zellen miteinander reden und bestimmen, wer welche Aufgabe übernimmt. Als "Sprache" benutzen sie das Pflanzenhormon Auxin. Wir haben entdeckt, dass man diese Erscheinung an Zellkulturen aus Tabak untersuchen kann. Diese Zellen bilden durch gerichtete Zellteilung einen Faden aus, der eine Art "Minimalorganismus" darstellt. Hier werden durch Auxinwellen, die von der Spitze des Fadens ausgehen, die Zellteilungen in einen einheitlichen Rhythmus gebracht - an diesem Beispiel können wir nun untersuchen, wie Zellen kommunizieren und über ihren Entwicklungsweg entscheiden.

 

Nano-Zellbiologie: Die Nanowissenschaften haben neue Werkzeuge entstehen lassen, die auch für unsere Fragen nützlich sind. In enger Zusammenarbeit mit Chemikern, Physikern und Ingenieuren entwickeln wir diese Werkzeuge so weiter, damit man sie in Pflanzenzellen anwenden kann. Unser Ziel ist es, nicht nur zusehen zu können, wie Moleküle und zelluläre Vorgänge in lebenden Zellen in Antwort auf Signale verändern - nein, wir wollen den Tanz der Moleküle auch selbst gezielt verändern um so das Verhalten der Zellen zu steuern.

 

Zellbiologie und Evolution: Im Laufe der Evolution entstand eine Vielzahl von Lebensformen, die sich an unterschiedlichste Umweltbedingungen angepasst haben. Da alle Lebewesen aus Zellen aufgebaut sind, sollte die Evolution auch zellbiologische Spuren hinterlassen. Dies ist jedoch wissenschaftlich erst in Ansätzen aufgegriffen worden. Vergleichende Untersuchungen zur pflanzlichen Zellbiologie sollten also unser Verständnis von Evolution voranbringen. Aber auch in umgekehrter Richtung gibt es einen Zusammenhang. Die Zellbiologie der Pflanzen unterscheidet sich in vielen Zügen grundlegend von dem, was an tierischen Zellen zu beobachten ist. Dies lässt sich eigentlich nur aus der Geschichte heraus verstehen - man braucht also Evolution, um die Biologie pflanzlicher Zellen wirklich verstehen zu können.

 


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