2. Praktische Einführung in die
wissenschaftliche Zeichentechnik
Übersichtszeichnungen (ÜZ)
Schematische Skizze. Darstellung der Lage und Ausdehnung der Gewebe in einem
Organ oder Organteil nur in Umrissen.
Keine Zeichnung von einzelnen Zellen!
Detailzeichnung (DZ)
zellgetreue Wiedergabe von Gewebeausschnitten (maßstab- und formgetreu)
Zeichentechniken
Einstrich
– Zeichnentechnik:
Zellwände zwischen zwei Zellen werden nur mit einem Strich
dargestellt - für Gewebe aus Zellen mit
dünnen Zellwänden.
Zweistrich
– Zeichnentechnik:
Zellwände zwischen zwei Zellen werden mit zwei Strichen dargestellt - für Gewebe aus Zellen mit verdickten
Zellwänden.
Dreistrich
– Zeichnentechnik: Zeichnung benachbarter Zellen mit
dreifacher Linienführung. Als Hilfslinie wird die Mitte zweier benachbarter Zellen
benützt (=Mittellamelle), anschließend trägt man die Primär- bzw. Sekundärwand
ein - für Gewebe mit
dickwandigen und dünnwandigen Zellen.
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Beschriftung von wissenschaftlichen Zeichnungen: Eine
wissenschaftliche Zeichnung ohne Beschriftung ist wertlos! Die Beschriftung
ist die wissenschaftliche Interpretation des Beobachteten! Wichtige Details
werden durch beschriftete Pfeile hervorgehoben und eingeordnet. Zur
Beschriftung gehört auch ein Titel mit dem Namen des Objekts (Was für eine
Art, welche Familie, welche Art von Gewebe/Zellen, welche Art von
Präparation) und Angaben zur Größe (Vergrößerung oder Maßstabsbalken). |
3.
Präparat 1: Epidermis
der Küchenzwiebel
Epidermiszelle der Küchenzwiebel (Allium cepa - Alliaceae).
Detailzeichnung einer Zelle.
Vorgehen:
man bereite einen Objektträger mit einem Tropfen Wasser vor, nehme ein
fleischiges Schuppenblatt der hellen Küchenzwiebel mit der konkaven (eingewölbten)
Innenseite nach oben und ritze mit der Rasierklinge oder dem Skalpell ein
Viereck ein. Mit einer feinen Pinzette fährt man nun unter das Häutchen (die
Epidermis), ergreift eine Ecke und zieht das Häutchen gleichmäßig und langsam
ab, spreitet es auf dem Wassertropfen und legt vorsichtig ein Deckglas auf. Nun
kann mikroskopiert werden. Nach dem ersten Mikroskopieren kann man noch mit
Hämatoxylin anfärben, damit die Zellkerne besser zu sehen sind.
Was ist zu
sehen? Die typische Form von epidermalen Zellen. Wenn
man die Kondensorblende relativ weit schließt, kann man den zumeist am Rand
liegenden Zellkern und den Cytoplasmasaum sehen, manchmal auch transvacuolare
Plasmasträngen. Der Großteil des Zellinneren ist jedoch Vacuole. Bei schonend
präparierten Zellen sieht man noch die Plasmaströmung im randständigen
Cytoplasmasaum und den Plasmasträngen. Hier sind mit etwas Glück noch kleine
Organellen zu erkennen, beispielsweise Mitochondrien (dunkel, wurstförmig),
Oleosomen (dunkel, rund) und Leucoplasten (hell, eher trapezförmig).
Aufgabe:
Zählen Sie aus, wieviel Zellen jeweils aneinander grenzen (3, 4, 5,....) und
formulieren Sie eine mögliche Erklärung dafür.
4.
Präparat 2: Histochemie
von Kartoffelstärke
Stärkehaltiges Parenchym (Grundgewebe) aus der Sprossknolle
der Kartoffel (Solanum tuberosum - Solanaceae). Anfärbung und
Detailzeichnung.
Vorgehen:
man suspendiert etwas Kartoffelstärke (kann auch aus einer durchgeschnittenen Kartoffelknolle mit einer Nadel oder
einem Skalpell etwas Gewebe gewonnen werden).
Nach Zeichnung im Hellfeld wird ein Tropfen Lugolsche Lösung
(Jod-Jodkalium-Lösung) seitlich neben dem Deckglas aufgesetzt und mithilfe eines
Streifens Filterpapier (oder Küchenkrepp) durch das Präparat gezogen. Unter
Umständen muss man die Lugolsche Lösung vorher noch verdünnen.
Was ist zu
sehen? Die Stärke wird in stärkespeichernde Plastiden (Amyloplasten)
enthalten. Im Hellfeld kann man bei geschlossener Kondensorblende oft die
Schichtung erkennen. Nach Färbung mit Lugolscher Lösung färbt sich die Stärke
(Amylose) tiefblau.
Demonstration
Im Dunkelfeld
leuchten die Stärkekörner oft prächtig auf, im polarisierten Licht entstehen
aufgrund der Schichtung (Stärke ist ein langgestreckter Dipol) charakteristische
Kreuzmuster (Malteserkreuz).
Zur
Nachbereitung
Weiterführende Informationen zur Mikroskopie:
http://www.mikroskopie-fuer-anfaenger.de/
http://www.mikroskopie.de/
Nultsch / Grahle: Mikroskopisch-Botanisches
Praktikum für Anfänger, Kapitel 1 (Thieme Verlag)
Weiterführende Informationen zur pflanzlichen
Zelle:
Nultsch / Grahle: Mikroskopisch-Botanisches
Praktikum für Anfänger, Kapitel 2 (Thieme Verlag)
Lüttge / Kluge / Bauer: Botanik, Kapitel 5 (Wiley
Verlag)
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Sie uns - Letzte Änderung - Freitag, 26. August 2011