Materialien

Folien Vorlesung "Grüne Gentechnik"

 

Hintergrund:

Folien eines Vortrags beim Biologentag Karlsruhe 2006 über unsere Arbeiten zur Differenzierung von Pflanzenzellen - pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Angewandte Biologie Praktikum Nutzpflanzen

 

Kurs 4: Grüne Gentechnik

 

Kursprogramm

 

1. Auflösung der Mittellamelle im Perikarp reifender Tomaten
2. Pflanzliche Gewebekultur: Tabaklinie VBI-0 (nur Angewandte Biologie / LCH: Demo)
3. GUS-Reporterlinien bei Reis (nur Angewandte Biologie / LCH: Demo)
 


1. Worum geht es bei der Antimatsch-Tomate?


Chromoplastenhaltiges Parenchym aus dem Fruchtfleisch (Perikarp) der unreifer und reifer Tomaten (Solanum lycopersicum – Solanaceae). Querschnitt, Detailzeichnung.

Was ist zu sehen? Das Perikarp besteht aus stark vakuolisierten parenchymatischen Zellen (Grundgewebe). Im unreifen Zustand sind in der Zellperipherie grüne Chloroplasten zu erkennen und die Zellen grenzen durchgängig aneinander. Im reifen Zustand haben sich die Chloroplasten vollständig in Chromoplasten umgewandelt, die orange bis rot erscheinen, weil sie viel Carotinoide (vor allem Lycopin) akkumuliert haben. Beim Reifen wird das Enzym Polygalacturonidase induziert, das nun die Mittellamelle auflöst. Dadurch runden sich die Zellen etwas ab und rücken auseinander. Die entstehenden Interzellularen sind dafür verantwortlich, dass das Gewebe lockerer wird. Dieses "Matschigwerden" hat den biologischen Sinn, die Samen im Innern der Tomatenbeere freizusetzen, ist aber für Transport und Verkauf der Tomaten von Nachteil. Bei der Antimatschtomate wird daher die Produktion der Polygalacturonidase unterdrückt, so dass das Perikarp länger fest bleibt. Dadurch können die Tomaten länger auf der Pflanze belassen werden, wodurch die Bildung von Carotinoiden und Aromastoffen weiter fortschreiten kann. Durch neuartige Erntetechniken (sogenannte Strauchtomaten) wird jedoch dasselbe erreicht, so dass die Antimatschtomate nur noch gelegentlich in USA und Großbritannien im Handel zu finden ist.

 


2. Pflanzliche Gewebekultur: Tabaklinie VBI-0


Dedifferenzierte Kalluszellen aus Markparenchym von Tabak (Nicotiana tabacum, cv. 'Virginia Bright Italia (VBI-0)' - Solanaceae). Übersichtszeichnung eines Zellfadens, Detailzeichnung und Quantifizierung.

Durchführung: Tabakgewebe ist sehr regenerationsfreudig - wenn man Gewebsstückchen auf Agarplatten bringt, die das Pflanzenhormon Auxin und Zucker als Kohlenstoffquelle enthalten, entsteht leicht und schnell ein sogenannter Kallus. Das sind weitgehend differenzierte Zellen, die sich intensiv teilen. Wenn man solche Kalli mit Cytokininen behandelt, regenerieren zahlreiche kleine Pflänzchen (sogenannte somatische Embryogenese). Aufgrund seiner Regenerationsfreudigkeit war Tabak die erste Pflanze, die gentechnisch verändert werden konnte. Dazu wird einfach Kallus mit Agrobacterium tumefaciens kokultiviert, dem vorher das Gen von Interesse in die T-DNS eingesetzt wurde. Bei der Zellkultur muss steril gearbeitet werden (warum wohl?). Die im Kurs benutzten Kallusplatten werden hinterher aber ohnehin verworfen, können also unter unsterilen Bedingungen geöffnet werden. Man entnimmt eine Spatelspitze Kallus und verrührt ihn vorsichtig mit Kulturmedium (Murashige-Skoog oder MS-Medium, eine mineralische Mischung, die alles enthält, was eine Pflanzenzelle zum Leben braucht). Wenn die Zellfäden zu dicht sind, muss die Suspension mit mehr Medium vermischt werden, so dass nicht zu viele Zellfäden übereinander liegen. Zunächst wird von einem einzelnen, freiliegenden Zellfaden eine Übersichtszeichnung angefertigt und dann eine einzelne Zelle gezeichnet. Durch Schliessen der Kondensorblende treten die Cytoplasmafäden zutage, an denen der Zellkern im Innern der Vacuole aufgehängt ist. Danach wird eine sogenannte Häufigkeitsverteilung der Zellzahl angefertigt - man zählt dabei, wieviele Fäden aus 1, 2, 3, 4, usw. Zellen bestehen. Die Ergebnisse werden für alle Kursteilnehmer aufaddiert und in Prozent umgerechnet. Dieser relative Anteil (die Häufigkeit) wird gegen die Zahl von Zellen pro Faden aufgetragen.

Was ist zu sehen? Der Kallus besteht aus einem Gewirr von mehrzelligen Fäden, die Teilung und das Wachstum der Zellen erfolgt genau in einer Achse, die, wie wir inzwischen wissen, durch einen Fluss des Pflanzenhormons Auxin ausgerichtet wird. Die Zellen "erinnern" sich an ihren Ursprung und durchlaufen ein einfaches Entwicklungsprogramm wie es bei der Differenzierung von Markparenchym zu Leitbündelgewebe stattfindet. Im Detail sieht man, dass der Zellkern vom Rand in die Mitte gerückt ist. Zahlreiche Cytoplasmastränge scheinen den Zellkern an dieser Position zu verankern. Das Innere ist jedoch weitgehend durch die Vacuole ausgefüllt, die Cytoplasmastränge durchziehen die Vacuole tunnelartig und müssen aktiv durch Energieerzeugung gegen den Vacuolendruck aufrechterhalten werden - hierfür ist das pflanzliche Cytoskelett (Mikrotubuli und Actinfilamente) verantwortlich, dass die Struktur der Cytoplasmastränge aufrechterhält. Die Zellen eines Fadens erscheinen auf den ersten Blick als unabhängige und autonome Einheiten. In der Tat bilden sie jedoch einen einfachen Organismus - dies zeigt sich, wenn man eine Häufigkeitsverteilung der Zellzahl pro Faden erstellt. Dabei wird eine wellenartige Verteilung sichtbar - geradzahlige Fäden sind häufiger als ungeradzahlige. Diese "Wellen" zeigen, dass die Zellteilung innerhalb eines Fadens synchronisiert wird.


3. GUS-Reporterlinien beim Reis


Präparat 3:   

Koleoptilen von transgenen Reiskeimlingen (Oryza sativa ssp. japonica – Poaceae), die ein Promotor::GUS Konstrukt für ein Jasmonsäure-Synthesegen exprimieren. Übersichtszeichnung.

Durchführung: Promotor-GUS-Studien sind ein häufig eingesetzter Weg in der Molekularbiologie, um feststellen zu können, in welchen Zellen oder Geweben ein bestimmtes Gen aktiv ist. Dazu wird der Promotor des Gens kloniert und vor eine Sequenz fusioniert, die für das Enzym b-Glucuronidase (GUS) kodiert. Dieses Enzym kommt in Pflanzen nicht vor und setzt das künstliche Substrat X-GlcA zu einem blauen Farbstoff um. Nun wird das Fusionskonstrukt in die Pflanze von Interesse eintransformiert und Samen dieser transgenen Linie gezogen. In den Keimlingen, die aus diesen Samen entstehen wird durch die Anfärbung in allen Zellen, in denen der Promotor aktiv war und GUS produziert hat, eine Blaufärbung sichtbar. Das sind also die Zellen oder Gewebe, in denen das entsprechende Gen angeschaltet wird. In unserem Fall interessieren wir uns für die Allenoxycyclase, ein Enzym des Jasmonatsynthesewegs. Jasmonsäure ist nicht nur der Duftstoff des Jasmins, sondern, wie man inzwischen weiß, ein wichtiges Pflanzenhormon, das vor allem für die Abwehr von Krankheiten und als "Schmerzsignal" bei Verwundung wichtig ist. Unsere Forschungen ergaben nun überraschenderweise, dass dieses Hormon auch in Antwort auf Licht gebildet wird. Daher verwenden wir in unserem Versuch zum einen dunkelgewachsene Keimlinge und Keimlinge, die für einige Stunden mit Blaulicht bestrahlt wurden. Um sichergehen zu können, dass die Blaufärbung nicht "von selbst" entsteht, z.B. durch unspezifische Reaktionen im Reisgewebe, die nichts mit der GUS zu tun haben, wird natürlich auch eine sogenannte Negativkontrolle mitgefahren, bei der man einfach nicht transgene Pflanzen (sogenannte Wildtypen) anfärbt. Aus Zeitgründen werden im Kurs schon vorgefärbte Keimlinge zur Verfügung gestellt. Das Verfahren der Färbung wird hier jedoch beschrieben:

Lösungen

 

100 mM Phosphatpuffer: 17,8 g/l Na2HPO4 x 2 H2O, pH 7,0 (mit H3PO4),

1 % X-GlcA: 100 mg X-GlcA in 10 ml DMF,

5 % Na-Azid: 500 mg Na-Azid in 10 ml ddH2O, X-GlcA-Färbelösung (50 ml)

 

Färbelösung (wird frisch aus den Stammlösungen in ein 50-ml Falcon-Röhrchen gemischt): 46.5 ml 100-mM Phosphatpuffer mit 2.5 ml X-GlcA-Lösung, und 1 ml Na-Azidlösung

 

Durchführung der Färbung

 

Die Keimlinge werden für 2 Tage bei 37°C im Brutschrank mit etwa 25 ml Färbelösung inkubiert. Danach wird die Farbelösung durch 70% EtOH ersetzt und bei 65°C für mindestens 1 Stunde inkubiert. Danach können die Präparate bei Raumtemperatur bis zur Auswertung gelagert werden.

Was ist zu sehen: Die Koleoptile ist ein embryonales Organ der Gräser (zu denen auch die Getreide zählen), dass die Aufgabe hat, die empfindlichen Blätter unverletzt an die Erdoberfläche zu bringen. Die Koleoptile wächst schnell und findet ihren Weg, indem sie sich an der Schwerkraft und dem ins Erdreich eindringenden Licht orientiert. In dem Augenblick, wo sie das Licht erreicht, stellt sie das Wachstum ein und wird von den Blättern durchstossen. Genauere Beobachtungen zeigen, dass dieses "Durchstossen" kein gewaltsamer Vorgang ist, sondern genau vorprogrammiert ist. Die Koleoptile öffnet sich entlang einer Naht und wir vermuten, dass dies dadurch geschieht, dass die Zellen der Naht durch das Jasmonatsignal dazu gebracht werden, sich gezielt umzubringen (sogenannter Programmierter Zelltod, die pflanzliche Version der sogenannten Apoptose). Bei Koleoptilen, die mit Blaulicht bestrahlt wurden, ist die Blaufärbung viel stärker und über das Gewebe verteilt. Hier wird also die Bildung von Jasmonat verstärkt, was mit einer schnelleren Öfnnung der Naht einhergeht. Bei der Negativkontrolle sollte keine Farbreaktion zu finden sein - obwohl diese Kontrolle auf den ersten Blick langweilig erscheint, ist sie sehr wichtig - nur so kann man sicher sein, dass die Blaufärbung bei den anderen Proben auch wirklich auf das eintransformierte Transgen zurückzuführen ist.


Zur Nachbereitung


 

 


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