Aufbau von Karyopsen von
Weizen (Triticum aestivum L.) - Poaceae. Längsschnitt, Übersichtszeichnung.
Durchführung.
Aus Zeitgründen werden Dauerpräparate betrachtet und analysiert.
Was ist zu
sehen? Der Hauptteil der Karyopse wird vom Mehlkörper
eingenommen (stärkespeichernde Amyloplasten). Der Embryo ist im Vergleich dazu
relativ klein. Zu erkennen ist das Keimblatt (Scutellum), das wie eine Placenta
dem Mehlkörper anliegt, und Koleoptile und Koleorhiza, die kapuzenförmig die
empfíndlichen Primärblätter (je nach Süßgrasart 3-7 angelegt) bzw. die
Keimwurzel umhüllen. Der Mehlkörper wird von einer Schicht proteinreicher Aleuronzellen umgeben.
2. Aufbau eines Getreidekeimlings
Aufbau von gekeimten Karyopsen vom Reis (Oryza sativa ssp. japonica) und
Weedy Red Rice (Oryza spec.) - Poaceae. Übersichtszeichnung.
Durchführung: Die
Karyopsen werden für eine Woche auf schwimmenden Schaumstoffnetzchen (Reis ist
eine Sumpfpflanze) auf Wasser im Dunkeln bei 25°C angezogen.
Was ist zu sehen? Die
Koleoptile ist nun fast vollständig elongiert und bei manchen Keimlingen schon
geöffnet, so dass die Primärblätter austreten können. Am Knoten sind bei einigen
Keimlingen (vor allem bei denen, wo die Öffnung der Koleoptile schon sehr
fortgeschritten ist) die seitlich auswachsenden Kronwurzeln zu sehen. Diese
bilden später das gesamte Wurzelsystem aus, da die Primärwurzel später
verkümmert. Der Teil des Sprosses unterhalb des Knotens heisst Mesokotyl. Beim
Rundkornreis (ssp. japonica) bleibt es kurz, während es beim Langkornreis
(ssp. indica) sich in die Länge streckt, wenn sich der Keimling im
Dunkeln entwickelt (im Licht bleibt es bei beiden Unterarten vom Reis kurz).
Dieser Grundaufbau ist bei allen Getreiden erhalten, wobei sich die Dimensionen
der einzelnen Keimlingsorgane unterscheiden. Beim Weedy Red Rice ist zum
Beispiel das Mesokotyl verlängert, was damit zusammenhängt, dass dieser
Kulturparasit den Kulturreis überwuchern kann.
3
.
Lichtkeimung von Salatachänen
Gekeimte
Achaenen des Kopfsalats (Lactuca sativa
– Asteraceae). Demonstration der Lichtkeimung
Durchführung. Die Achaenen werden auf
feuchtem Filterpapier ausgesät und über Nacht bei 25°C inkubiert.
Eine Probe wird im Dunkeln gehalten, eine zweite wird am nächsten
Morgen 10 min mit starkem Rotlicht bestrahlt, eine dritte Probe
wird mit 10 min Rotlicht, gefolgt von 10 min Dunkelrot behandelt.
Das Ergebnis wird 3-4 Tage später ausgewertet. Achtung: Dunkel
bedeutet hier photobiologisches Dunkel - selbst Spuren von Licht
können das Phytochromsystem induzieren.
Was ist zu sehen? Im Dunkeln
ist die Keimung stark gehemmt - Salat ist ein Lichtkeimer und hat
hier eine Wildpflanzeneigenschaft beibehalten. Durch Rotlicht wird
die Dormanz gebrochen (Anregung des Phytochromsystems). Bei
nachfolgender Dunkelrotbestrahlung wird das Phytochrom jedoch von
der aktiven Pfr-Form in die inaktive Pr-Form zurück"geschossen",
so dass die Achänen von der Belichtung "nichts mitbekommen" und
dann, wie im Dunkeln, nicht keimen. Dieses klassische Experiment
demonstrierte übrigens diese seltsame Eigenschaft des Phytochroms
und war letztlich dafür verantwortlich, dass man dadurch
Phytochrom als ersten pflanzlichen Photorezeptor isolieren und
identifizieren konnte.
4. Vergleich von Blattformen der Europäischen Wildrebe
Blätter von
Kultur- und Wildreben (Vitis vinifera
– Vitaceae). Übersichtszeichnung von Blättern
Hintergrund.
Die Europäische Wildrebe (Vitis vinifera ssp. silvestris)
ist die Stamm-Mutter der Kulturrebe (Vitis vinifera ssp.
vinifera) und fast ausgestorben. In einem vom BMVEL
geförderten Projekt wird die letzte zusammenhängende
Wildpopulation auf der Halbinsel Ketsch in-situ im
Botanischen Garten des KIT erhalten. Bei der Untersuchung dieser
Population zeigten sich starke Resistenzen gegenüber Pathogenen
der Weinrebe. Diese Pathogene wurden im 19. Jahrhundert aus
Nordamerika eingeschleppt und treffen in Europa also auf einen
"naiven Wirt", der sich nicht wehren kann. Die Folgen waren
verheerend - in Baden brach der Weinbau in den 1880ern komplett
zusammen, was zu einer Massenauswanderung nach USA führte - die
Bevölkerung sank um ein Drittel ab! Der Grund, warum die
Europäische Wildrebe, die ja ebenfalls ein "naiver Wirt" sein
sollte, resistent ist, ist noch unklar - es gibt Hinweise auf
Veränderungen in Blattbau und -oberfläche, z.B. zusätzliche
Cuticularleisten in den Spaltöffnungen, die hierfür eine Rolle
spielen könnten. Im Experiment geht es zunächst einmal darum,
Unterschiede in der Morphologie zu betrachten und festzustellen.
Durchführung: Blätter von
verschiedenen Kultursorten (z.B. 'Müller-Thurgau'), Europäischen
Wildreben aus Ketsch und von als Unterlagssorten im Weinbau
eingesetzten amerikanischen Wildreben (z.B. Vitis rupestris
oder Vitis riparia) werden gezeichnet. Im Zentrum stehen
Form, Blattaderung, Färbung (im Herbst findet man bei Vitis
vinifera eine ausgeprägte Bildung von Anthocyanen) und Oberfläche
(z.B. Haare, Wachs). Können Sie Kultur- und Wildrebe
unterscheiden? Wie unterschiedlich sind die Blätter eines Genotyps
untereinander?
Zur
Nachbereitung
Weiler, E., Nover, L. Allgemeine und molekulare
Botanik, Thieme, Kapitel 17
© 2012 Peter
Nick, Botanisches Institut 1, alle Rechte vorbehalten
Ihre Meinung zu unserem Webauftritt ist uns wichtig - schreiben
Sie uns - Letzte Änderung - Donnerstag, 24. Mai 2012