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Dozenten: Prof. Dr. H. Taraschewski, Dr. Trevor Petney
Dauer: 2 SWS
Empfohlene Einordnung in den Studienplan: 5.oder
7. Semester (WS)
Zeit: Jeweils morgens vor dem Praktikum
von 10:00-11:30 Uhr.
------1. Blockperiode
Ort: Zoologie I, R 107, Geb. 07.01, Kornblumenstr. 13
Vorbesprechung:
Lernziel:
Die Studierenden sollen einen fundierten Überblick über
alle Teilgebiete der Parasitologie erhalten. Dabei stehen solche Themen,
Parasiten und Wirte im Vordergrund, die in den gängigen Standardlehrbüchern
der Parasitologie kaum behandelt werden. Alle parasitologischen Themen
werden aus dem Blickwinkel der Ökologie beleuchtet.
Lerninhalte:
- Die wichtigsten parasitisch lebenden Tiergruppen und ihre Strategien
zur „Nutzung“ von Wirten und -
zur Umgehung ihrer Abwehr
- Wirte und Parasiten als Bestandteile von Ökosystemen
- Infizierte versus uninfizierte Wirte: Lebenserwartung, Fitness,
Revierverhalten, Sexualität,
- Reproduktion
- Exponierung von infizierten Zwischenwirten in den Nahrungsketten
- Parasiten als Modulatoren von Ökosystemen und als „Bioingenieure“
- Parasiten in der Stadt, als Neozoen, in der Tiefsee, auf Inseln,
etc.
- Bioindikation mit Parasiten
Teilnahmevoraussetzungen: Vordiplom
Verwendbarkeit in anderen Studiengängen: Biologie
Lehramt
Angebotene bzw. empfohlene Lernhilfen:
- Mehlhorn/Piekarski: Grundriß der Parasitenkunde, Spektrum
Verlag
- Taraschewski (2005): Parasiten und Wirte als Bestandteile von
Ökosystemen. In: Allgemeine Parasitologie,
(Hrsg.): Hiepe, Lucius, Gottstein, Parey Verlag
Lehrmethoden: Vorlesung 100%
Leistungsnachweis: Klausur,
Donnerstag den 19.11.09
Die Vorlesung findet vorwiegend in deutscher Sprache statt,
alle wichtigen Begriffe werden aber auch in Englisch genannt
bzw. angeschrieben. Es geht in der Vorlesung zwar auch um
die Vermittlung von parasitologischem Grundwissen; sie ist
aber nicht nur eine Begleitveranstaltung zum "Parasitologischen
Praktikum" sondern begibt sich darüber hinaus
auch in Überschneidungsbereiche der Parasitologie zur
Allgemeinen Ökologie, Umwelttoxikologie, Gewässerökologie
oder Ethologie,. Themen aus diesen jungen, in den Lehrbüchern
noch kaum behandelten Forschungsgebieten umfassen z.B. "antiparasitic
sexual mate choice" oder "parasites as bioindicators".
Einen weiteren Schwerpunkt der Vorlesung bilden Wirt-Parasit-Interaktionen,
die sich mit Methoden der Hämatologie, Immunologie, Endokrinologie
und Elektronenmikroskopie dokumentieren lassen. Beispiele:
"the eosinophilic reaction" oder "the intestinal
goblet cell reaction". Nach Möglichkeit werden Beispiele
von Parasiteninvasion und Wirtsabwehr sowohl aus Endwirten
als auch aus Zwischenwirten eines Parasiten-Entwicklungszyklus
dargestellt. Anhand des Acanthocephalen Moniliformis moniliformis,
der als Adultus in Ratten parasitiert und Schaben als Zwischenwirte
benutzt, lassen sich einige Mechanismen der Auseinandersetzung
zwischen Wirt und Parasit im Bild darstellen (Bilder 1-9).
In der Vorlesung wird im weiteren vermittelt, wie sich Parasitenpopulationen
im zeitlichen Verlauf, im Raum, in den Altersgruppen und den
beiden Geschlechteren ihrer Wirte entwickeln (Abb. 10-). Die
Infrapopulationen der Parasiten unterliegen einer intraspezifischen
Dichteregulation, die aber nur im Wirt, in dem der Parasit
eine Ko-Evolution hatte, funktioniert. Den Studierenden wird
auch vermittelt, wie Parasiten die Abundanz und Populationsdynamik
ihrer Wirte durch Mortalität und verminderte Ftiness
regulieren. Letzteres führt zu mehr oder minder starken
Einbußen bei der Reproduktion der Wirte.
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Moniliformis
moniliformis

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1. Geöffneter Rattendarm
mit adulten Würmern (Laborinfektion mit dichter Parasiten-
Infrapopulation) |
2. Der Acantor, die
aus dem Ei geschlüpfte erste Larve, hat mit Hilfe ihrer apikalen
Haken und unter Ausschüttung von Penetrationsenzymen die
Darmwand des Zwischenwirtes (Periplaneta americana) durchdrungen
und beginnt jetzt in der Leibeshöhle des Insekts mit der
Bildung einer membranösen, schwammartigen Außenhülle,
die die Hämozyten des Wirts mit ihren antiparasitischen Phenoloxidasen
und Peroxidasen (im Bild unten rechts abgebildet) vom Acanthor
fernhalten soll. |
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3. Zum Schutz vor der
Wirtsabwehr besitzt der Acanthor auch eine pentalaminare (doppelte)
äußere Membran.
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4. Der jungen Acanthella (=
2. Larvenstadium, unten rechts im Bild: TE) in der Leibeshöhle
gewährt die membranöse Außenhülle (E) Schutz
vor den Abwehrzellen (HC) des Insekts, aber nur in bestimmten
Schabenarten. In einer unpassenden Insektenart wird die Parasitenlarve
melanisiert und abgetötet. Im geeigneten Zwischenwirt erfolgt
die Weiterentwicklung des Parasiten bis hin zum Cystacanth,
der für den Endwirt infektiösen Larve.
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5. Im Endwirt angelangt,
heftet sich der Parasit mit Hilfe seiner Proboscis (oberes Bild,
REM) an die Darmwand der Ratte an (rechts TEM-Abbildung). Es
kommt zu Gewebsnekrosen (nekrotische Zellen: NZ). Der Wirt reagiert
mit einer starken Absonderung von Schleim. Die Proboscis des
Parasiten ist meist (wie hier im Bild) invaginiert, so dass
sie in ihrem Inneren Nährstoffe aus dem nekrotischen Wirtsgewebe
auffangen kann. Nachdem die Wirtsabwehr den Parasiten an der
Anheftungsstelle "ins Visier" genommen hat, verändert
dieser seinen Anheftungspunkt, fährt die Proboscis ein
und aus und bohrt sich somit eine neue Läsion zur Verankerung.
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6. Die vermehrte,
gegen den Parasiten gerichtete Schleimabsonderung beruht auf einer
Vermehrung der Anzahl der Becherzellen in der Mukosa und auf einer
Hypertrophierung dieser schleimabsondernden Zellen (Parafinschnitte,
HE-Färbung).
Links: Darmzotte einer uninfizierten Ratte
Rechts: Darmzotte einer infizierten Ratte |
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| 7. Die Darmwand einer infizierten
Ratte (rechts) wird gegenüber einem uninfizierten Vergleichstier
(links) deutlich verdickt. Diese antiparasitische Maßnahme
kommt aber wahrscheinlich dem Parasiten zugute ("Fremddienliche
Zweckmäßigkeit"), weil dadurch die Darmmotilität
Richtung Rektum, gegen deren Druck sich der Parasit behaupten
muß, reduziert wird. |
8. Während der akuten Phase
einer Infektion kommt es an der Wurmoberfläche (unten rechts
TE) zu einer starken Akkumulation von Granulocyten, die an der
Parasitenoberfläche degranulieren. Als Reaktion stößt
der Parasit seinen mit antiparasitischen Wirtsenzymen behafteten
Surface coat (= Glycocalix, blaue Pfeile) ab und erneuert ihn.
Dieses Phänomen bezeichnet man als "Shedding" oder
als "Capping". |
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9. Während
der anschließenden chronischen Phase der Infektion beobachtet
man an der Wurmoberfläche vorwiegend Plasmazellen (rote
Punkte), die Antikörper gegen den Parasiten ausscheiden.
Der Verlauf des Antikörper-Titers scheint aber nicht mit
der Dauer der Infektion korelliert zu sein. Bei Nachfolge-infektionen
kommt es dann aber zu geringeren Ansitzraten der Parasiten,
und auch deren Größe und Eiausscheidungsrate bleiben
deutlich hinter denen der Kontrollwürmer zurück. Blau:
Surface coat, Grün:Granula/Granulozyten. |
Populationsdynamik von Parasiten
in ihren Wirten

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| Verlauf von
Prävalenz (A) und maximaler Intensität (B) des Befalls
von Ligula intestinalis (Plerocercoide) in Rotaugen (0+/1+)
eines Gewässers über den Zeitraum von 31 Jahren. (Für
die Jahre 1985 - 1989 wurden keine Daten erhoben, weil zu wenige
Rotaugen vorhanden waren.) (nach Kennedy et al. 2001) |
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Endwirt: Der Haubentaucher |
Parasiten regulieren die Populationsdynamik
ihrer Wirte durch Mortalität.
Ko-Stressoren: Hitze (siehe Grafik), Kälte, Austrocknung
etc.
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| Überleben
und Mortalität in einer Population von uninfizierten und
Digenea- (Cryptocotyle lingua) infizierten Strandschnecken
(Littorina littorea), die in einem abgegrenzten Strandabschnitt
lebten. Man beachte das Ansteigen der Mortalität unter den
infizierten Schnecken während der beiden Hochsommer (gelb
makiert). Infizierte Schnecken wurden anhand der Farbe des Fußes
identifiziert. Bei den anschließenden Sektionen erwies sich
die Zuordnung in 75 % der Fälle als richtig (aus Mouritsen
und Poulin 2002 nach Huxham et al. 1993). Zwischenwirte des Parasiten:
Fische, Endwirte: Möwen. |
Parasiten regulieren
die Populationsentwicklung ihrer Wirte durch negative Beeinflussung
der Netto-Reproduktion
Beispiel 1:
Cysticerci des Parasiten in
der Leibeshöhle einer Maus
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| Beeinflussung
des Sexualverhaltens männlicher Labormäuse durch Infektionen
mit dem Cestoden Taenia crassiceps (durchschnittliche
Anzahl an Cysticerci pro Maus: 2,1). Der 0-Wochen-Wert bezieht
sich auf den Verhaltenstest eine Woche vor der Infektion. Kontroll-Mäuse
(Kreis-Symbol, n=5) zeigten Besteigung der Weibchen, Intromission,
und Ejakulation während der ganzen Beobachtungszeit. Bei
den infizierten Mäusen (gefüllte Symbole, n=6) waren
die drei Komponenten des männlichen Sexualverhaltens ab der
13. Woche p.i. erloschen (aus Morales et al. 1996). |
Beispiel 2:
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| Umlenkung des
Energieflusses im Schneckenwirt L. stagnalis durch den Schistosomen-Parasiten
Trichobilharzia ocellata. Durch eine Stimulation der
Expression des LyNPY-Encodierungs-Gens im Wirt kann der Parasit
die Nutzung der Speicherenergie des Wirtes für dessen Reproduktion
und Wachstum weitgehend unterbinden (nach de Jong-Brink et al.
2001). |
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Lymnaea stagnalis
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Trichobilharzia ocellata
Ei
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Geschlüpftes Miracidium von
Trichobilharzia ocellata
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Zerkarie von
Trichobilharzia ocellata |

Zerkarien-Dermatitis beim Menschen nach
dem
Bad in einem Baggersee |
Intraspezifische
Dichteregulation in Infrapopulationen von Parasiten
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| Abhängigkeit
der durchschnittlichen Länge des intestinalen Nematoden Contracaecum
rudolphii pro Wirt (Kormoran) von der Intensität des
Befalls (n=114 infizierte Wirte). (nach Dezfuli et al. 2002) |
Parasiten
als Neozoen
Im Japanischen Aal, seinem eigentlichen Endwirt, zeigt der Schwimmblasennematode
Anguillicola crassus eine intraspezifische Dichtereglation.
Im Europäischen Aal (neu angenommener Wirt nach der Einschleppung)
funktioniert dieser Mechanismus nicht und es kommt zu hohen
Wurmintensitäten
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| Infektionsraten
von Larvenstadien und adulten Anguillicola crassus in
experimentell infizierten europäischen Aalen (Anguiia
anguilla) und japanischen Aalen (Anguilla japonica),
98 dpi. Die Wiederfindungsrate (rechts) bezieht sich darauf, wie
viele der 30 L3-Larven, die pro Aal verabreicht wurden, am 98.
Tag pi als adulte Würmer bzw. lebende L3 oder L4-Larven gefunden
wurden. Die L2-Larven werden von graviden Weibchen ins Lumen der
Schwimmblase abgegeben und gelangen von dort via Ductus pneumaticus
in den Darm der Aale (aus Mahnke und Knopf unpubl.). |
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Mundöffnung des Parasiten |
Geöffnete Schwimmblase, stark
befallen mit
A. crassus |
Einnischung von Parasiten im Wirt. Das Mikrohabitat
Beispiel 1: Fischflosse
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Schematische
Zeichnung der Schwanzflosse eines cypriniden Fisches als Mikrohabitat
von Myxozoa. Die Plasmodien von sympatrischen Arten findet man
jeweils nur an einer sehr spezifischen Stelle: im interlepidotrichialen
Raum (a), im Lumen der Hemisegmente (b), auf der Oberfläche
eines Hemisegments (Weichstrahl) (c) (modifiziert nach Molnar
2002).
Beispiel 2: Die Fischkieme als
Mikrohabitat

Schematic drawing of different
localizations of various species of Myxobolus and of
Nosemoides tilapiae on the gill arch. Scale=10µm.
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Beispiel 3: Das Auge als Mikrohabitat
Myxosporidien
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Beispiel 4: Darm Ratte

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“Interactive
site segregation”
Verteilung des Cestoden Hymenolepis diminuta und des
Acanthocephalen Moniliformis moniliformis im Darm von
Ratten in experimentellen Einzel- und Doppelinfektionen. H. diminuta
ist die unterlegene Spezies und wandert bei Vergesellschaftung
mit M. moniliformis in ein weniger geeignetes Mikrohabitat, den
hinteren Dünndarm ab (aus Poulin 1998 nach Holmes 1961). |
Hymenolepis diminuta
--------Moniliformis moniliformis
im Rattendarm |
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