DFG-Forschergruppe Kanalleckagen:
“
Gefährdungspotential von Abwasser aus undichten Kanälen für Boden und
Grundwasser“
Neben dem
Wasserhaushaltsgesetz und dem Bundesbodenschutzgesetz sieht die Europäische
Wasserrahmenrichtlinie einen integrierten Gewässerschutz unter Einbeziehung der
Oberflächengewässer, des Grundwassers und der aquatischen Lebensgemeinschaften
vor. Demnach muss der Eintrag von
schädlichen Stoffen in den Untergrund und das Grundwasser minimiert werden.
Abwasserkanäle, in gemäßigten und kalten
Klimazonen unterirdisch verlegt, sammeln häusliches und industrielles Abwasser
und z.T. Regenwasser und transportieren dieses zur Kläranlage. Da die Geschichte der Stadtentwässerung eine
lange Tradition hat, ist mit zunehmenden Alter der Abwasserkanäle mit einem
steigenden Risiko von Abwasserversickerung aus undichten Kanälen zu rechnen.
Über das Ausmaß des Schadens gibt es kontroverse Berichte. Die nötigen Mittel
für Sanierungsmaßnahmen müssen, unabhängig von der Haushaltssituation
bereitgestellt werden, um den Vorgaben der Gesetze und Verordnungen zu genügen.
Für eine Schadensbewertung ist eine Beschreibung der komplexen Prozeßabläufe im
Boden und im Grundwasser noch nicht mit ausreichender Sicherheit möglich. Es
fehlen außerdem Untersuchungen welche Analysen für eine quantitative Prognose
zum Schadstoffabbau in der ungesättigten Bodenzone und zur
Schadstoffausbreitung im Grundwasser geeignet sind und welche
Untersuchungen/Messungen mindestens durchgeführt werden müssen. Um dieser
Problematik zu begegnen, wurde an der Universität Karlsruhe eine
DFG-Forschergruppe zur Abschätzung des “Gefährdungspotentials von Abwasser aus
undichten Kanälen für Boden und Grundwasser“ eingerichtet.
Die wichtigsten wissenschaftlichen Ziele der Forscherguppe
sind:
·
Ein dynamisches Verständnis der biologischen Abbauvorgänge,
der Transformations- und Endprodukte aus dem Abbau abwasserbürtiger Stoffe und
der daran beteiligten Organismen zu erhalten. Dabei sollen unterschiedliche
bzw. sich abwechselnde Milieubedingungen (aerobe anaerob, mikroaerophil) in
einem sandigen, gut wasserdurchlässigen und in einem feinkörnigeren, weniger gut wasserdurchlässigen Untergrund
betrachtet, sowie der Wassersättigungsgrad von ungesättigt bis überstaut und
die Art und Menge von refraktären Stoffen und hygienisch bedenklichen
Schadkeimen bestimmt werden.
·
Quantifizierung von Exfiltrationsraten in Abhängigkeit vom Schadensbild der Leckage sowie des Untergrundes.
·
Die Erstellung von Simulationsmodellen und ihre Anwendung,
um wesentliche Einzelprozesse und deren zeitliche und räumliche Abfolge über
die ganze Bandbreite möglicher Parameter ausreichend beschreiben zu können.
·
Die Weiterentwicklung von Regionalisierungs- und
Bilanzierungsansätzen unter Einbeziehung weiterer Schadstoffparameter und von
hygienischen Gesichtspunkten, um den Einfluß von Einzelleckagen auf die
großräumliche Wasserqualität des Grundwasserleiters abschätzen zu können.
An der DFG-Forschergruppe
beteiligte Institute:
Institut für Siedlungswasserwirtschaft,
Fakultät für Bauingenieur- Geo- und Umweltwissenschaften
Prof. Dr. Ing. E. h., H. H. Hahn Ph.D.,
Dr.-Ing. S. Fuchs, Dipl. Ing. J. Roddewig
"Erfassung der dynamischen Prozesse des Wasser- und Stofftransports im Umfeld von Kanalleckagen"
Institut für Ingenieurbiologie und
Biotechnologie des Abwassers, Fakultät für Bauingenieur- Geo- und
Umweltwissenschaften, Koordination
Prof. Dr. rer. nat. J. Winter, Dr. rer. nat. C. Gallert, Dipl. Ing. P. An,
Dipl. Ing. J. Hua, Dipl. Biol. M. Paul
"Mikrobielle Umsetzungen im
Leckagebereich von Abwasserkanälen – Korrelation von Aktivitäten und
Verbreitung von Mikroorganismen"
Engler-Bunte-Institut, Bereich
Wasserchemie, Fakultät für Chemieingenieurwesen
Prof. Dr. rer. nat. F. H.
Frimmel, Dr. rer. nat. G. Abbt-Braun, Dr.-Ing. T. Brinkmann
Institut für Hydromechanik, Fakultät
für Bauingenieur- Geo- und Umwelt-wissenschaften
Prof. G. Jirka Ph.D., Dr. rer. nat. U.
Mohrlok, Dipl. Ing. M. Bücker
" Prozessbasierte Erfassung des
Stoffeintrags ins Grundwasser aus Kanalleckagen: Entwicklung eines
Expertensystems "
Institut für Angwandte Geologie,
Fakultät für Bauingenieur- Geo- und Umwelt-wissenschaften
Prof. Dr. habil. H. Hötzl,
Dr. rer. nat. M. Eiswirth † , Dipl. Geol. J.
Klinger Dipl. Geol. L. Wolf
"Abwasser im urbanen
Grundwasserleiter: Stoffeintrag, Umsetzungen und Gefährdungspotential"