Karlsruher Institut für Technologie (KIT)


Otto Lehmann (1855 - 1922)


Universität Karlsruhe Otto Lehmann wurde am 13. Januar 1855 in Konstanz geboren. Durch die naturwissenschaftlichen Arbeiten seines Vaters wurde in ihm schon früh ein starkes Interesse an der Kristallographie geweckt.
1872 beginnt er das Studium der Naturwissenschaften an der Universität Straßburg und beendet es 1877 mit der Prüfung für das höhere wissenschaftliche Lehramt. Während seiner anschließenden Promotion über physikalische Isomerie bei dem Kristallographen Groth in Straßburg entwickelt Lehmann sein Kristallisationsmikroskop.
Danach arbeitet Otto Lehmann als Lehrer der Physik, Mathematik und Chemie an der Mittelschule von Mühlhausen im Elsaß. Neben seiner Schultätigkeit beginnt er systematische Versuchsreihen über Kristallwachstum und Modifikationsänderungen kristalliner Substanzen und verbessert hierbei ständig sein Kristallisationsmikroskop.
1883 folgt Lehmann einem Ruf als Dozent der Physik und Assistent von Wüllner an das kgl. Polytechnikum in Aachen. 1888 erscheint die "Molekularphysik", in der Lehmann das gesamte Wissen seiner Zeit über die Physik der Materie zusammenfaßt. Bemerkenswert ist die Darstellung mikroskopischer Methoden, deren Ursprung auf die wissenschaftlichen Arbeiten des Autors zurückgehen.

1888 wird Otto Lehmann die Professur für Elektrotechnik am kgl. Polytechnikum in Dresden übertragen. Schon 1889 folgt er einem Ruf an die Technische Hochschule Karlsruhe als Nachfolger von Heinrich Hertz. Er übernimmt das Physikalische Institut mit der Lehrverpflichtung für physikalische und elektrotechnische Vorlesungen. Für das Rektoratsjahr 1900/1901 wird er zum Rektor der Fridericiana gewählt.
Durch die Entwicklung des Kristallisationsmikroskops und seine damit gemachten Beobachtungen leistete Lehmann einen maßgeblichen Anteil am Fortschritt der wissenschaftlichen Mikroskopie. Zwischen 1876 und 1888 entstand das "große Kristallisationsmikroskop", dessen Weiterentwicklung von den Firmen Voigt und Hochgesang sowie Zeiss aufgegriffen wurde. Er konstruierte auch das erste gasbeheizte Projektionskristallisationsmikroskop.
Lehmanns Arbeiten an Flüssigkristallen begannen 1888. Der österreichische Botaniker Friedrich Reinitzer schilderte ihm, daß er beim Erhitzen und anschließenden Abkühlen zweier Substanzen im polarisierten Licht prächtige Farberscheinungen und das gleichzeitige Auftreten von Kristallen und amorpher geschmolzener Masse beobachtet hatte. Lehmann, der ähnliches schon früher an Jodsilber gesehen hatte, begann die systematische Untersuchung dieser Substanzen und fand in der Folge mehr als 100 Stoffe mit ähnlichem Verhalten. Er prägte den Begriff "flüssiger Kristall", der in der damaligen Zeit durchaus kontrovers diskutiert wurde. Lehmann führte eine Klassifikation der Flüssigkristalle in zwei Gruppen ein, die sogenannten "tropfbar flüssigen Kristalle" und die "schleimig flüssigen Kristalle".

Otto Lehmann wurde in den Jahren 1913 bis 1922 mehrmals für den Nobelpreis für Physik vorgeschlagen. Leider blieb ihm diese höchste wissenschaftliche Anerkennung versagt. Er hinterließ 1922 bei seinem Tode der Nachwelt ein für die damalige Zeit vollständig erforschtes Kapitel der Physik, ohne das der rasche technische Fortschritt nach der Wiederentdeckung der Flüssigkristalle im Jahre 1968 nicht möglich gewesen wäre.

Founders of the Otto Lehmann Foundation: Prof. Dr.-Ing. Peter M. Knoll, Prof. Dr.-Ing. Dr.h.c.mult. Dieter A. Mlynski, Prof. Dr.-Ing. Dieter Krause, Karlsruhe Institute of Technology (KIT);
Robert Bosch GmbH, Stuttgart; Merck KGaA, Darmstadt.
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